Wie päppele ich meine Echse?

Auf dem Kaminsims sitzt der Gecko und wartet, dass die internationale Gemeinschaft ihm etwas zu essen bringt. Ich konsultiere meinen ausländischen Gecko-Berater. Er sagt, der Gecko brauche Lebendfutter und rät zu einer Fruchtfliegenfarm. Der Gecko ist zwar nicht mehr ganz so langsam wie zu Anfang, aber noch immer wirkt es, als könne er es allenfalls mit einer Kreuzung aus Fruchtfliege und Schnecke aufnehmen. Da ich weder das eine noch das andere habe, biete ich ihm ein stecknadelkopfgroßes Stück Schinken an. Ich rüttle sogar ein wenig daran, damit es wieder lebendig aussieht, aber offensichtlich haben Geckos kein Interesse an Mini-Schweinen. An dem Tropfen Orangensaft leckt er und verzieht sich mit einem spürbaren Naserümpfen hinter seine Streichholzschachtel.

gargoyle-53Die nationalen Gecko-Berater denken in eine ganz andere Richtung. Füttern sei nicht nötig, denn besser lebe man ohnehin ohne Gecko. Überhaupt dieses ganze Viehzeug, Spinnen, Fliegen, Flöhe und „Mütter der Flöhe“, wie Kakerlaken auf Dari heißen – alles, was kleiner als ein Marco-Polo-Schaf ist, sollte man umbringen, und ganz besonders Geckos. Zwar heißt es im Volksmund, wenn ein Gecko auf Haar oder Schultern einer Frau falle, werde sie Glück haben und reich werden, aber die Zusatzklausel besagt, bei manchen treffe auch das genaue Gegenteil ein. Die beiden Grazien nicken andächtig, als sie bekunden, man solle lieber auf den möglichen Wohlstand verzichten, wenn der Preis sei, von einem Gecko getroffen zu werden, und die als dritte Expertin hinzuberufene Köchin kann ihnen nur beipflichten.

„Wir habe eine besondere Waffe gegen diese Tiere, einen speziellen Schlamm. Wenn wir an der Wand einen Gecko sehen, rollen wir eine Schlammkugel und werfen sie dagegen.“  „Ach so, draußen.“ – „Nein natürlich drinnen!“ Ich bin gespannt, wie es in den Räumlichkeiten einer Geckohasserin nach einem heißen Sommer aussieht.  Ganz wichtig sei aber – besonders für Frauen – sich nach dem Mord an einem Gecko mit Wasser zu waschen, in das sie vorher ihr Gold gelegt hätten.

Auch wenn man Spinnen töte, sei Vorsicht geboten, denn dem afghanischen Volksglauben zufolge kommt bei ihnen später der verwitwete Partner, um Rache zu nehmen. Das sei durch Beispiele hinlänglich belegt: „Bevor er starb (!) hat mein Vater mal eine Spinne erschlagen – so gefährlich war sie, dass ihr Gift ein ganzes Glas gefüllt hat (vielleicht besuche ich lieber Geckohasser als mit Spinnenfeinden Saft zu trinken) und eine Woche später, als er gerade im Garten die Blumen goß, kam eine zweite!“

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