Es riecht nach … Geld!

cimg4063Ausländer bewegen sich in Kabul immer weniger und immer vorsichtiger. Nicht zuletzt deswegen passiert ihnen selten etwas. Dafür werden immer mehr reiche (oder vermeintlich wohlhabende) Afghanen Opfer von Entführungen. Das ist nicht lustig, aber ich stelle mir gelegentlich vor, unter den Entführern könnte ein im Ausland sozialisierter sein, der seiner Forderung ein saloppes „In kleinen Scheinen!“ hinzufügt, und sich gleich darauf am liebsten in den Hintern beißen würde.

Kleine Scheine sind hier nämlich wirklich klein, der kleinste, 10 Afghani, ist etwa 14 Cent wert. Man kann sich ausmalen, wie unauffällig sich große Summen in dieser Form übergeben ließen. Doch dann würden die Probleme erst richtig losgehen. Selbst die allgegenwärtigen Kleenex wirken steif im Vergleich zu den durch ständiges Rollen, Falten und Falzen lappig gewordenen Scheinen; verwechseln kann man sie aber ohnehin nicht, denn wer hier  „Banknote“ sagt, muss „Duftnote“ mitdenken. Mit den Taschen voller Geld läuft man folglich Gefahr, dass jemand anders bei einem reiche Beute wittert.

Außerdem fallen die meisten Scheine fast auseinander. Was also, wenn man bei der Flucht an alles außer einen Tesafilmroller gedacht hat? Wieviel müsste man zur Rekonstruktion reinvestieren, und wieviele Monate wäre man damit beschäftigt?

Das Hauptproblem des im Kurs beachtlich stabilen Afghani ist weniger der Wertverfall als sein physischer Zerfall. Niemand hat Hemmungen, einem noch den letzten Fitzel als Banknote unterzuschieben, stellt sich aber im Gegenzug gerne an, wenn man damit bezahlen möchte. Nicht einmal die Bank tauscht alte in neue Scheine um. Allerdings kamen neulich einem Bankangestellten fast die Tränen, als ich für knisternde, noch nie gefaltete 1000er kleinere Scheine haben wollte, obwohl er nur noch marode 500er hatte.

Advertisements

3 Antworten to “Es riecht nach … Geld!”

  1. Heidrun Says:

    Was sagt uns dieser Eintrag? Der Spruch der Lateiner „pecunia non olet“ hat nicht überall in der Welt Geltung. Schließlich gab es bei ihnen nur Hartgeld…
    Eine erfreuliche Lektüre, diese Geschichte aus dem afghanischen Alltag!
    Wir sind gespannt auf weitere und schauen wieder rein!

    • andromeda8 Says:

      Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass Hartgeld per se besser riecht. Schreibt nicht Agatha Christie in ihren „Erinnerungen an glückliche Tage“ auch von Tagen, die eher für andere glücklich waren, nämlich den Tagen, an denen sie die Arbeiter in der Ausgrabungsstätte ihres Mannes im Nahen Osten bezahlt? Davor grault sie sich, wenn ich mich recht entsinne, weil die Münzen so stark nach Knoblauch riechen.

  2. RevolutionaryGirl Says:

    Ein Entführer sollte deinen Blog nicht lesen, sonst fügt er noch Tesafilmrolle zu seiner Checkliste hinzu! Herrlich!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: