Komposthaufen und ihre Konkurrenz

Basisdemokratische Reparatur des Rasenmähers

Basisdemokratische Reparatur des Rasenmähers

Ich nehme es ernst mit meinem Auftrag, Bewusstsein für ökologische Probleme zu schaffen. „Von heute an kompostieren wir,“ verkünde ich meinem Team. In Beschreibungen über die Vorzüge von Komposthaufen schwelgend vergesse ich fast, wo ich bin – bis mir die Kommentare der anderen deutlich machen, dass es sich um die Wiederaufbauszene in Kabul handeln muss: „Es gibt eine Organisation, die sich mit Komposthaufen befasst. Wir können sie anrufen, damit sie einen Projektvorschlag schicken.“ Auch von Powerpoint-Präsentationen ist die Rede, und davon, dass wir einen Kompost-Experten einladen und intern eine Fortbildung dazu machen könnten.

Ich merke, jetzt sind die Mitarbeiter ganz bei der Sache, und plädiere unverzüglich für einen Modell-Komposthaufen im hinteren Teil unseres Gartens – so einfach, dass jeder Afghane ihn bei sich zu Hause nachbauen kann.

Eine Zeichnung entsteht, hier Pfosten, da Drahtzaun, vielleicht auch Balken. Das Gerüst steht, zumindest auf dem Papier. Der Künstler schaut kritisch: „Wie es von außen aussehen soll, verstehe ich – aber womit füllen wir es?“ – „Da werfen wir unsere Gartenabfälle, Teeblätter, Asche und sowas rein.“ – „Eine gute Idee … aber ich weiß nicht, wie wir das sofort vollkriegen sollen. Vielleicht bauen wir erstmal ein kleines …?“ Jemand anders schlägt vor, wir könnten auch unsere Partnerorganisationen darum bitten, uns mit Kompost auszuhelfen.

Schließlich begreife ich, dass mein Team glaubt, das Ziel sei, einen Haufen bestimmter Größe im Garten zu installieren.

Nach einigen weiteren Ausführungen über den ökologischen Nutzen des Kompostierungsprozesses sind die Mitarbeiter jedoch überzeugt und erklären das Projekt denjenigen, die es umsetzen sollen. Begeisterung löst es nicht aus. Verottende Dinge auf dem eigenen Grundstück zu lagern, wenn man sie genausogut in den Müll oder wenigstens über die Mauer werfen könnte, ist kein kulturell kompatibles Konzept. Schließlich sind trotzdem alle einverstanden – nur der Gärtner guckt knopfäugig. Ich frage, was los sei. Na, ich hätte doch gesagt, da würden wir in Zukunft das abgeschnittene Gras reintun … aber zu Hause warteten doch seine Kühe darauf …

Ich versichere ihm, Komposthaufen könne man auch ganz langsam anlegen und als Futter sei das Gras natürlich noch besser angelegt.

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2 Antworten to “Komposthaufen und ihre Konkurrenz”

  1. Fährfrau Says:

    Rauschmittel sind mir ja fremd – ich schnüffele höchstens Mal an Katzenhaar, aber ich inhaliere nicht! – doch nun verstehe ich auch endlich den Titel des Blogs: Gärtnerei zeichnet sich eindeutig als Leitmotiv ab! 🙂

  2. andromeda8 Says:

    Gut, dass Du mich darauf hinweist! Das müssen die Spätfolgen von Schwanenwerder sein 😉

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