Die Rennwagenbettwäsche

Auf einer meiner seltenen Exkursionen zu Fuß, bis an die Ecke oder ein paar Straßen weiter, komme ich an zwei herumlungernden Jugendlichen vorbei und ernte trotz Mantel, Sonnenbrille und Kopftuch einen Kommentar. Ich drehe mich um, mustere den Flegel streng und frage, was er gerade gesagt hätte. Er und sein Freund scharren mit den Füßen und finden plötzlich hochinteressant, was sich dort unten im Staub abspielt. „Ich habe sowas gehört wie ‚Sexy Cat‘,“ insistiere ich. „No, no, ’sexy CARRR‘,“ versucht sich einer der beiden rauszureden. CIMG4753Am Straßenrand stehen ein paar alte Autos und ein schrottiges Taxi, auf der Straße schieben alte Männer Holzkarren vorbei, von einem interessanten Auto gibt es weit und breit keine Spur. Ich ziehe in einem akrobatischen Akt die Augenbraue so hoch, dass man sie auch über meine gigantische Sonnenbrille hinweg sehen sollte und lasse die beiden weiterlungern.

Am Abend denke ich wieder an sie, denn wir haben uns für unsere überdimensionale Decke hier Bettwäsche nähen lassen. Da wir selbst nicht auf den Basar gehen können, waren wir beim Stoff ganz auf die Auswahl der Näherin angewiesen, die zunächst meinte, am besten schlafe es sich in Herzchenbettwäsche. Das sah ich anders. Ich zeigte ihr einen schlichten Kopfkissenbezug, in gelb und rot gehalten, und fragte, ob sie etwas dazu passendes finden könnte. Sie strahlte und sagte, genau sowas habe sie gestern gesehen und morgen schon könnten wir den Bettbezug haben.

 

Man kann es nicht anders sagen, es ist ein prächtiges Rot, auch mit ein bisschen gelb darin, und wie gewünscht haben wir herzchenfreie Bettwäsche bekommen. Stattdessen sinken wir jeden Abend zwischen Laken, auf denen grinsende, zwinkernde Comicautos hin- und herrasen, unter denen in dynamischer Schrift „Lightning McQueen“ steht.

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2 Antworten to “Die Rennwagenbettwäsche”

  1. smartfortwo Says:

    Offenbar sind die Unterschiede im Geschmack bezüglich Bettwäsche nicht sehr groß- man denke an „Werder“ oder „Bayern“ oder „HSV“ oder „Lilifee“-Bettwäsche.
    Das von der Näherin ausgewählte Muster ist doch nicht so schlimm: nachts hat man doch die Augen zu oder es ist zu dunkel, um den „Cars“ beim Rennen zuzusehen, und am Tag ist man doch sowieso im Büro.
    Sei froh, dass es nicht Vampire sind, die sich auf der Bettdecke tummeln. Bei denen weiß man ja nie….

  2. Fährfrau Says:

    Wer jedoch als Jugendsünde zuviel Stephen King gelesen hat, den würden Autos auf der Bettwäsche durchaus auch das Fürchten lehren. Christine hieß das böse Auto, glaub ich … Bonne nuit! 😉

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