Im Brunnen mit dem Rohre

Leider ist auch das schönste Haus Kabul nicht frei von Pferdefüßen. Bei uns sind es die alten Leitungen und ein ebenso gieriger wie dummer Vermieter. Natürlich waren es nicht seine Pfusch-Reparaturen, die es im ganzen Wächterhaus haben durchregnen lassen, sondern die Wächter, die das „Dach unsachgemäß behandelt“ haben. Obwohl es aufgrund des Wasserschadens jetzt von innen verwegen aussieht, müsse man es nicht neu streichen lassen – seien ja nur die Wächter –  und schon gar nicht, während er, der Vermieter, immer noch darauf warte, dass das Haus von außen gestrichen werde (was aber gar nicht vereinbart war). 

Mir schwante also nichts Gutes, als er beim letzten Treffen sagte, wenn die Wasserpumpe kaputt ginge, dann werde er zunächst selbst im Gesetz nachlesen, ob er für die Reparatur zuständig sei. Kaum drei Tage später ist die Wasserpumpe kaputt, und wenn wir warten, bis der General das Gesetz gefunden, gelesen und sogar verstanden hat, werden wir nie wieder duschen können. 

Der große Wächter versucht, mir auf Dari nicht nur das Problem sondern auch eine mögliche Lösung zu schildern. Wie ich den Spuren auf seinem Umhang entnehme, muss es vorher schon eine andere Idee gegeben haben, die in irgendeiner Weise beinhaltete, dass er hinfiel und Nasenbluten bekam. Die neue Idee bedarf zu ihrer Umsetzung drei Mann und einen langen Schlauch. Während ich herumtelefoniere, wer wohl kommen könnte, ist der Wächter plötzlich verschwunden. Instinktiv schaue ich in den Baumwipfel, in dem er unlängst saß. Zielführender ist die Spur seiner Latschen.

Bild015Sie stehen neben dem alten Brunnen, in den er neulich noch die freundlichst mit ihm geteilten Bratkartoffeln warf, weil er sie nicht mochte. Ich wage kaum hinzuschauen, wie er sich mit den Zehen in die Ziegelwände krallt, nur eine Hand schaut noch heraus, und dann ist auch die verschwunden. Der Brunnen ist zwar nicht unendlich tief, aber als vor einem Monat beim Ausklopfen das Ofenrohr reinfiel, war es ziemlich schwer in den dunklen Tiefen auszumachen, und völlig klar, dass wir es nicht wieder herausholen.  

Zum Glück entsteigt der Wächter dem Brunnen unbeschadet wieder, nur funktioniert die Pumpe leider trotz seines Einsatzes nicht.

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