Sich aus dem Staub machen

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Am späten Nachmittag wird Kabul oft von staubigen Winden heimgesucht. Man sieht, wie sich Wirbel formen, und was der Wind bringt ist so fein, dass es durch jede Ritze kriecht und einen feinen Schleier über alle Flächen legt. Heute sind es nur vereinzelte Böen, aber trotzdem kann man manchmal kaum erkennen, wer vor einem steht. Der Fahrer hat für den Ausflug eine Tüte frisches Popcorn gekauft, aus der er und mein Kollege sich gerade bedienen, als ein Windstoß über den Bergkamm fegt. Danach ist die Tüte halbleer, und ich habe für den Rest des Tages größere Popcorn-Vorkommen im Haar. 

Wir stehen auf dem „Swimming Pool Hill“, der seinen Namen  –  unschwer zu erraten – wegen des Schwimmbads obendrauf hat. Es ist ein riesiger Pool mit Sprungtürmen verschiedener Höhe. Leider ist er nie eingeweiht worden, weil bei der Planung augenscheinlich nicht berücksichtigt wurde, wie man Wasser auf den Berg befördern könnte. Einige sportliche Jugendliche klettern auf die Türme, auch wenn von den Leitern nur noch die Seitenteile geblieben sind. Das Regenwasser der letzten Wochen hat einen kleinen grünen Tümpel zu ihren Füßen entstehen lassen.

Swimming Pool Hill

Swimming Pool Hill

Von hier oben sieht Kabul richtig schön aus, gerade zu dieser Jahreszeit. Am Fuße des Berges blüht ein prächtiger Rosengarten. Obwohl erst vor zwei Jahren angelegt, würde sein Anblick den meisten deutschen Gärtnern Tränen des Neids in die Augen treiben, so wunderbar gedeihen Rosen im Klima Kabuls. Dahinter erstreckt sich ein Viertel, das einen sehr grünen Eindruck macht. Buschige Baumkronen überragen die Gebäude und vermitteln einen Eindruck davon, warum diese Stadt früher als Urlaubsressort so beliebt war. 

Auffällig im Stadtgefüge ist jedoch ein kahler Fleck, bar jeder Vegetation. Es handelt sich um das vermeintliche Nobel-Viertel Sherpur. Während in anderen Städten die Wohnviertel der Reichen an gepflegten Hecken und alten Bäumen erkennbar sind, ist es in Kabul genau umgekehrt. Wer sich einen Palast leisten kann, baut ihn bis an die Außenmauer seines Grundstücks, da ist noch nicht einmal mehr Platz für Kletterpflanzen.

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3 Antworten to “Sich aus dem Staub machen”

  1. Fährfrau Says:

    Ungeahnte deutsch-afghanische Verbindungen tun sich auf – oder erinnert die Lichtstimmung des ersten Fotos etwa nur mich an Caspar David Friedrich?
    Kabul in saftigem Frühlingsgrün ist wahrlich ein erstaunlicher Anblick, plötzlich scheint die graue Trostlosigkeit aus der Ferne gewichen zu sein.

  2. b-blocker Says:

    Ich hätte ja gerne auch die Rosen gesehen….

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