Privatschule der Mittellosen

CIMG4858Auf meinem Tisch entsteht eine Kleinstadt aus Papphäusern. Eines nach dem anderen holt mein Besucher aus Plastiktüten, und sie sind allesamt liebevoll gestaltet. Manche stehen auf einem Untergrund voller Herzen, andere haben aufgemalte oder -geklebte Fenster, und selbst den Schornstein hat man nicht vergessen. Im großen, schwarzen Gebäude liegen zwei Zettel, auf dem einen sieht man eine Person und eine Blume. Der andere ist mit Zahlenreihen bedeckt. „Das soll zeigen, dass in dem Haus auch jemand wohnt und es sich mit Blumen gemütlich gemacht hat, und es ist aber auch eine Schule, deswegen liegt der Mathe-Zettel drin.“ Als letztes Detail fördert er ein paar Blumen für die Gärten zutage.

All diese mit Liebe zum Detail gestalteten Häuschen kommen aus einer Schule, die weder von der Regierung noch von annderen Organisationen unterstützt wird. Sie ist die private Initiative eines Freundes, der den Großteil seines Gehaltes darein investiert, etwas für sein Stadtviertel zu tun. Zu diesem Zweck hat er ein großes Haus angemietet, in dem mittlerweile über 100 Mädchen und Jungen in mehreren Schichten zur Schule gehen. Einen Raum hat er als Wohnung für sich, die restlichen sind an Studenten aus anderen Landesteilen vergeben. Statt Miete zu zahlen, unterrichten sie die Kinder aus den umliegenden Straßen, die andernfalls nicht zur Schule gehen könnten. 

Wer immer es sich leisten kann, zahlt Schulgeld: ein oder zwei Dollar im Monat pro Kind, was angesichts dessen, dass viele Familien in Armut leben, ziemlich viel ist. So hat etwa die Hälfte der Schüler „Stipendien“. „Warum nimmst Du Geld von den Schülern? Wäre es da nicht doch einfacher, eine Spende einzuwerben?“ frage ich ihn. Er schüttelt den Kopf: „Die Familien schätzen es viel mehr Wert, wenn sie selbst auch einen Beitrag leisten, habe ich gemerkt.“

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Zum Dank dafür, dass meine Eltern und ihre Freunde diese Schule mit Papier, Stiften und Spielzeug und anderen Materialien die  sie sammeln unterstützen, bekomme ich immer wieder Bilder und andere Kunstwerke mitgebracht, die die Schüler basteln.

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Eine Antwort to “Privatschule der Mittellosen”

  1. Lesemarie Says:

    Ich bin sehr gerührt von dieser Geschichte!

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