Luder im Champagnerpool

Bei der Auswahl eines Fotos für eine Internet-Zeitung hatte ich extra darauf geachtet, bloß nicht zu blond und lieber etwas struppig auszusehen. Leider hat es nicht alle abgeschreckt.

So fühlt sich Helmut S. aus Österreich ermutigt, mir eine sterbenslangweilige Mail zu schicken. Darin schreibt er über mein gewinnendes Lächeln, das ihn zum Staunen bringe, und äußert die Hoffnung, mir ginge es da mit ihm ähnlich. 

Da Helmut versäumt hat, ein Foto mitzuschicken, kann ich das nicht beurteilen. Ich leite die Mail an den erweiterten Freundeskreis weiter, falls jemand Lust hat, dem einsamen Österreicher zu antworten. Und siehe da, C alias Commander Jan Mohammad Khan wirft sich in die Bresche. Er schickt eine Mail, sogar mit Foto, aber ohne Lächeln: „Better don’t try again. we don’t like people sending such mails to mrs. b***. Jan Mohammad Khan, Commander.“

Jan Mohammad Khan, Commander

Jan Mohammad Khan, Commander

Auch das kann einen Feldkirchner jedoch nicht aus der Ruhe bringen, der JMK mit Dr. Sommer zu verwechseln scheint. Kühn schreibt er zurück und hat beim Unterzeichnen den „mut“ in seinem Namen groß geschrieben: 

„Dear Mr. JMK,
thank You for Your answer. I’m glad to get such a tip.But tell me, how must the mails to Mrs. Bente be that You like the sender an Mrs. Bente the mails?HelMut“

Mein Team lacht sich kringelig. In Afghanistan haben Männer noch weniger Scheu, ungebeten aufdringlich zu werden. Neulich, so erzählt die eine Grazie, sei sie auf dem kurzen Weg vom Schneider bis ins Büro gleich fünf Mal angesprochen worden. „Das sind junge Männer, die lassen dann das Fenster runter und fragen, hey Süße, wie wärs?!“

Obwohl sie eine Seele von Mensch ist, war das nun wirklich einer zu viel. Die anderen habe sie ignoriert, aber bei diesem hätte sie sich umgedreht und die grinsenden Insassen des Autos eingehend gemustert. Und ihnen dann einen Rat gegeben, der sie hat Gas geben lassen: „Fahrt mal lieber nach Hause, Jungs, und guckt, wer eure Schwestern im Auto mitnimmt während ihr mich hier behelligt!“

Als echte männliche Nervensäge kann man im traditionellen Afghanistan nur von Verhältnissen wie in Beirut träumen. Dort, berichtete eine Freundin, habe  sie sich eigens für die „Let me be your Katjuscha“-Party blondiert. Ob es tatsächlich Hassan Nasrallah war, der zu später Stunde seinen Bart im Whirlpool in ihr Champagnerglas getunkt hat, sei dahingestellt. Auf jeden Fall aber sei sie in den konservativen Kreisen besonders gut angekommen.

Ohne Whirlpools und Champagner muss man sich in Afghanistan anders behelfen. Das Internet ist zwar noch nicht weit verbreitet, aber zum Belästigen reicht es allemal. Die Grazie erzählt, wie sie auf Skype belagert worden sei. Einer hätte immer wieder versucht bei ihr anzurufen. Als sie gerade dabei gewesen wäre, ihn zu sperren, hätte er sich erdreistet zu schreiben, sie solle gefälligst antworten, denn „das Glück klopfe nicht alle Tage an die Tür.“ – „Was denn bitteschön für ein Glück?“ – „Ich will dich heiraten.“

Die Ohrringe der Grazie klirren, als sie voller Empörung den Kopf schüttelt. „Ich habe nur zurückgeschrieben, zur Hölle mit dir! Lass mich in Frieden arbeiten. Zur Hölle mit Heiraten!“

Advertisements

Eine Antwort to “Luder im Champagnerpool”

  1. andrej Says:

    dein foto war einfach nicht struppig genug, aber wohl dem, der einen commander khan als prätorianer um sich weiß. der arme luder-österreicher…

    gruß, andrej

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: