Schubladen von Geisterhand

„Ein großes Auto steht vor dem Haus,“ verkündet der Wächter. „Ein was?“ frage ich alarmiert, denn die erste Nachricht des Tages lautete, ein großes Auto sei vor dem ISAF-Hauptquartier explodiert. „Ein großes Auto,“ wiederholt der Wächter, so groß, dass es nicht durch die Einfahrt passe. „Aber was will es denn überhaupt hier?“ Der Tank, in dem in Ermangelung eins Kanalisationssystems unser Abwasser gesammelt wid, ist voll und muss ausgepumt werden. Ich ahne, wie meine Abendgestaltung aussehen wird.“Die müssen wann anders wiederkommen, jetzt haben sie keinen Schlauch, der lang genug ist,“ sagt der Wächter und guckt geknickt. Er liebt es, zusammen mit mir irgendetwas in Ordnung zu bringen.

Daher geht ein Leuchten über sein Gesicht, als wenig später ein Schreibtisch geliefert wird. „In drei Teilen! Laß ihn uns zusammenbauen!“ Der gemeinsame Heimwerkerabend ist gerettet. Forschen Schrittes eilt der Wächter zum nächsten Laden und leiht sich eine Zange. Es ist die erste Reparatur, die ohne Quetschungen, Stiche und Nasenbluten vonstatten geht. Davon übermütig geworden frage ich Aziz, wie das denn eigentlich neulich passiert ist, als er mit seinem Fuß in den mechanischen Rasenmäher geraten ist. Bei der gestenreichen Darstellung piekt er sich voller Aufregung mit dem Schraubenzieher in den Fuß, aber der Schaden hält sich in Grenzen.

Noch eben die Schublade wieder reinschieben … schön wärs. Sie federt immer wieder auf, weil Papier dahinter klemmt. Mit einem Kleiderbügel ziehen eine Rechnung und eine Liste hinter der Schublade hervor, aber das Problem bleibt. Briefe, ein Taschentuch, spätestens beim zweiten stellt sich die Frage, wie die Schublade jemals zu war. Und als allerletztes fördern wir noch zwei Mini-Ausgaben des Koran zutage. Endlich schließt die Lade.

Advertisements

5 Antworten to “Schubladen von Geisterhand”

  1. Fährfrau Says:

    Ein kommunikativer Schreibtisch eben – wollte und konnte einfach nicht die Klappe halten. 😉

    • andromeda8 Says:

      Wie unsensibel von mir, ihn dann dazu zu zwingen. Ich lege ihm gleich Stift und Papier raus, ist ja schließlich ein Schreibtisch.

      • b.-blocker Says:

        Ich passe demnächst extra gut auf, wenn ich wieder mal an einem Eßtisch vorbeigehe.

  2. smartfortwo Says:

    Möglicherweise hatte die Lade etwas vom Ladenschluss-Gesetz gehört und ergab sich deshalb in ihr Schicksal?

  3. RevolutionaryGirl Says:

    …oder wollte einfach nur heilig gesprochen werden 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: