Die Taliban und die Teletubbies

Nachschub

Nachschub

Das Auto bebt, als der Fahrer einen riesigen Sack Mehl in den Kofferraum wuchtet, gleich danach noch einen, dann einen Sack Reis. Es scheint, als würde er sich auf einen Belagerungs- zustand einrichten, aber vielleicht ist das für seine ausufernde Familie nur der Wocheneinkauf. Fast hätte der Wächter schon die Heckklappe zugeschlagen, da kommt noch ein Sack Zwiebeln. „Wars das jetzt?“ erkundigt er sich. Der Fahrer, ein Bär von einem Mann, zupft an den Zipfeln seines Gewandes. „Also … da ist noch was, auf der Rückbank des anderen Autos … aber ich hol das schon.“ Er stapft zurück und zieht sichtlich verlegen einen rosafarbenen, aufblasbaren Teletubbie in Form eines kleinen Sessels hervor.

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Toleriert in Talibanistan ("as long as you can blow it up")

Keiner von uns kann sein Lachen zurückhalten. „Der ist für meinen Sohn,“ sagt der Fahrer mit einem schiefen Grinsen. Eben noch hat er mir seine Probleme mit den Taliban-Kontrollen auf der Strecke geschildert. Ich erinnere mich auch, dass Leute aus seiner Provinz ihre Jeans an die Familie nach Kabul geschickt haben, weil die Taliban Razzien nach Verderbnis verheißenden westlichen Kulturgütern angekündigt hatten. Teletubbies scheinen nicht darunter zu fallen. Diplomatisch sage ich, sein Sohn werde sich bestimmt darüber freuen. „Ja, er hatte davor schon einen. Aber der hat ‚tttrrrrrrrrrak‘ gemacht, ‚bumm‘, ist einfach zerknallt.“

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Eine Antwort to “Die Taliban und die Teletubbies”

  1. andrej Says:

    as long as you can blow it up… böse aber gut:=)

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