Bis zum Sonnenuntergang

„Wie findest du eigentlich Ramadan?“ fragen mich meine Mitarbeiter, denn direkt nach den Wahlen beginnt die Fastenzeit. Ich zögere auf der Suche nach einer diplomatischen Antwort. „Ehrlich gesagt, finde ich es keine einfache Zeit … alle sind vom Hungern genervt, und besonders am späten Nachmittag sind muss sich auf den Straßen vor den Autofahrer hüten.“

Ich kenne Ramadan nur aus der arabischen Welt, wo ich es schon nicht schön finde. Aber ich habe noch nie Menschen erlebt, die so versessen aufs Essen sind, wie hier, und die schon schrecklich darunter leiden, wenn das Mittagessen nicht spätestens um 12.30 auf dem Tisch steht. Die anderen grinsen verständnisvoll.

„Unser Fahrer hat mich auch schon gewarnt: ‚Sieh zu, dass Du nächste Woche immer rechzeitig fertig bist. Wenn ich nichts esse werde ich schrecklich nervös. Also, sei pünktlich, sonst beschimpfe ich dich noch versehentlich.'“

Eine der Grazien erzählt, im vergangenen Jahr seien sie mal fast von einem Auto gerammt worden, weil der andere Fahrer es so eilig hatte, rechtzeitig zum Fastenbrechen zu Hause zu sein. „Er hat uns angeschrienen ‚Verflucht sei deine Mutter! Ihr habt Glück, dass gerade Ramadan ist, deswegen benutze ich keine Schimpfwörter, aber verflucht sei deine Mutter!‘ Gut, das gerade Ramadan war, wer weiß, was er sonst noch gesagt hätte.“

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Eine Antwort to “Bis zum Sonnenuntergang”

  1. b.-blocker Says:

    Gilt wohl auch universell:
    Erst kommt das Fressen und dann die Moral.

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