Der Fisch am Himmel

Meine Freundin muss sich ziemliche Mühe geben, um sich beim Telefonieren gegen die Hintergrundgeräusche abzugrenzen. „Eine Invasion großer grüner Papageien im Garten! Die machen sich über die Mandeln her,“ brüllt sie. Ich erinnere mich, wie eben diese Papageien letztes Jahr innerhalb weniger Tage den gesamten Granatapfelbaum leergefressen haben. Bei uns habe ich sie dieses Jahr noch nicht erblickt, außer einem toten unter dem Quittenbaum. Wahrscheinlich ein Schwächeanfall, bei den harten Früchten.

Insgesamt scheint es eine günstige Zeit für alle Aktivitäten im Luftraum zu sein. Bei jeder Fahrt durch die Stadt erblickt man Hunderte von Drachen, einige von ihnen in schwindelnder Höhe und nur noch als Punkte erkennbar. Hört man dagegen ein Rauschen und Sirren, heißt das meist, dass gleich einer in den eigenen Garten fällt. Kaum bricht die Dämmerung herein, werden die Drachen eingeholt.  Dann gehört der grüngraublaue Himmel ganz den Fledermäusen. Mein russischer Mitbewohner ist überzeugt, dass sie gerade auf der Durchreise nach Sibirien sind. Wäre ich Fledermaus, würde ich ein kuschliges Minarett in Kabul bevorzugen.

Seit einiger Zeit schwebt überdies ein Zeppelin über der Stadt, der die Sicherheit durch Luftüberwachung erhöhen soll. Die Grazie zieht mich lachend ans Autofenster und zeigt darauf: „Jetzt weiß ich endlich, was mein Neffe gemeint hat! Er kam neulich und rief ganz aufgeregt: ‚Tante, Tante! Ich habe einen Fisch am Himmel gesehen!“

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Eine Antwort to “Der Fisch am Himmel”

  1. Lesemarie Says:

    Wer weiß, ob weibliche Fledermäuse im Minarett willkommen wären? Wenn es nur ein Minarett gibt, wird es doch schwierig, oder?

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