Afghanische vier Wochen

Vier Wochen sind eigentlich keine lange Zeit. Es reicht dafür aus, dass eine Steckdose durchbrennt, zwei Abflüsse kaputtgehen und das Auto seinen Geist aufgibt. Es reicht gerade soeben aus, damit der Gärtner die letzten Sonnenstrahlen auf dem Rasen liegend genießen kann und diesen pflichtschuldig direkt vor meiner Wiederankunft mähen kann. Um die vertrockneten Sonnenblumen abzuschneiden, die Granaäpfel zu ernten bevor sie reif sind und platzen, oder um das Unkraut über dem Basilikum zu entfernen, scheint es wiederum zu kurz.

Es lässt auch genügend Zeit, um die Einfahrt vor dem Haus mit einem tiefen Graben zu durchtrennen und eine abenteuerliche Brückenkonstruktion aus zwei wackligen Betonblöcken mit plattgeklopften Metallösen zu zaubern, aber als ich frage, wann dieses Provisorium umgewandelt wird, ernte ich nur Kopfschütteln: „Na, nicht so lange es funktioniert … außerdem ist bald Winter, da baut man Dächer und keine Gräben.“

Zum Glück ist im Büro alles tadellos, das Team hat sich in meiner Abwesenheit phantastisch gekümmert. Etwas beunruhigt war ich zwischendrin bei der SMS „Wir haben schon mal den Lehrer rausgeworfen, er hat einfach nicht getaugt.“ Die Grazien sind stolz, sogleich kompetenten Ersatz gefunden zu haben, der jetzt jeden Tag mit Fahrer, Wächter und Köchin Dari-  und Englischunterricht macht.

Während wir im Stau stecken, kann ich mich von den Qualitäten des neuen Lehrers überzeugen. In Ermangelung von Ersatzteilen für das Büroauto holt uns der Fahrer jetzt immer in seinem kleinen privaten Corolla ab. Dessen Maße lassen nicht zu, dass er sich lässig zurücklehnt, aber sein Gesichtsausdruck verrät, dass er das eigentlich gerade tun würde. Er, der seit Jahren an der englischen Sprache verzweifelt, sagt geradezu nebensächlich: „Traffic is one of the biggest problems of Kabul.“

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