Politische Grippe

Damaskus 2003: Im benachbarten Irak ist Saddam Hussein ist gestürzt, und weltweit wird live übertragen, wie Iraker eine seiner Statuen von einem Sockel stoßen. Außer in Syrien, in dem das Fernsehen lieber eine Sendung über historische Schätze des vorderen Orients ausstrahlt.

Kabul 2009: Zum gleichen Zeitpunkt, als alle anderen Sender berichten, Karzai sei für eine zweite Amtszeit bestätigt, strahlt der afghanische Sender RTA stattdessen eine Folge von Tom und Jerry aus. Wäre RTA nicht so karzai-nah könnte man eine interessante Parallele zwischen beiden Ereignissen sehen. Da viele den Wahlkampf jedoch bereits als ein Katz-und-Maus-Spiel betrachtet haben, sitzt hier vielleicht nur ein Programmdirektor, der für Popularität sorgen will. Außerdem – wer weiß: Ich hatte ja schon neulich darauf hingewiesen, dass diese Zeichentrickserie hier große pädagogische Wertschätzung genießt.

Afghanen haben einen ausgeprägten Sinn für Humor und spotten gerne. H1N1, von einigen Zeitungen bewusst „Schweinegrippe“ genannt und Ausländern angelastet, wird in anderen Zeitungen genüsslich als „Politische Grippe“ bezeichnet. Es sei doch erstaunlich, dass das Versammlungsverbot pünktlich zur Ausrufung Karzais als Sieger erfolgt sei, flachst die Zeitung Hashte Sobh. Auch für die Ankündigung Karzais, oberste Priorität der neuen Amtszeit werde sein, die ausufernde Korruption zu bekämpfen, haben viele nur bitteren Spott übrig:  „Deswegen also hat er in der ersten Amtszeit alle gewähren lassen! Damit er Ziele für die Wiederwahl hat!“

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