Je oller

Wir besuchen einen berühmten Schrein am Stadtrand von Herat. Wunderschöne schiefe Stelen und Grabsteine stehen und liegen im Innenhof. Einige Männer schlagen Nägel in alte Bäume und Frauen binden Schleifen um deren Äste, damit ihre Gebete erhört werden.

Der Schrein wird von zwei Angehörigen des Militärs bewacht, die mit ihren Waffen durch den Innenhof laufen. „Hey, du!“ scheuchen sie einen alten Mann mit weißem Bart und weißem Turban auf, der sich an der falschen Stelle niedergelassen hat. Der Innenhof ist mittels eines Seils in Frauen- und Männerbereich unterteilt, und der alte Herr hat sich zu nah an den Frauen niedergelassen. Ganz abgesehen davon betet er in die falsche Richtung, zufällig genau so, dass er sie beobachten kann. Nach wenigen Minuten brüllt der Wächter schon wieder durch die heilige Stätte und fuchtelt mit seiner Waffe, denn diesmal hat der Greis geduckt versucht, sich zwischen den Grabsteinen versteckt an die Frauen heranzupirschen.

Ich erzähle das den Grazien, die gleich ein wütendes Funkeln in den Augen bekommen: „In unserer Kultur nennt man die alten Männer „Spingiri“ – „Weißbärte“, als Beweis des Respektes, den man ihnen zollt! Aber das sind die schlimmsten!“ – „Nicht die jungen Rüpel?“ frage ich. Die Grazien sind sich einig: Die seien zwar auch schlimm, aber nicht so direkt. „Die haben noch mehr Zeit bis zum Tod.“

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Eine Antwort to “Je oller”

  1. RevolutionaryGirl Says:

    hahahaha…da haben die Grazien recht! 😀

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