Im Schein eines Blaulichts

Polizist zu sein, ist in Afghanistan nicht eben attraktiv. Man verdient zwischen 80 und 120 Dollar im Monat, von denen man nicht selten noch einen Teil an seinen Vorgesetzten abtreten muss. Man steht nicht hoch im Ansehen, und man lebt gefährlich. Deswegen ist der „Schwund“ bei den Polizisten, die Deutschland und andere Nationen hier ausbilden, auch so groß.

Wenn sie durch die Straßen fahren, hat es allerdings mehr von einer Bande als von dem, was wir mit Polizei verbinden. Sie sitzen auf kleinen Bänkchen auf Pick-ups, einer meist an einem aufs Führerhäuschen montierten Maschinengewehr. Sommers wie winters, bei Tag und auch bei Nacht: Wer von ihnen eine Sonnenbrille hat, gar noch eine verspiegelte, wird diese im Dienst auch tragen. Angesichts der Luftverschmutzung und mittlerweile auch der Kälte kann man meist auch noch abenteuerliche Vermummungen erblicken.

So martialisch das Auftreten auch ist, die Konzentration leidet, sobald Frauen am Straßenrand oder in Autos zu erblicken sind. Dann muss nämlich gründlich geglotzt werden, und wenn die Frauen zurückschauen, sieht man, wie die Polizei sich in Pose wirft.

In der Hauptstadt wimmelt es derzeit von Polizisten, weil die Amtseinführung Karzais bevorsteht. Die meisten von ihnen langweilen sich sichtlich. So werde ich heute schon zum zweiten Mal von den Polizisten des Checkpoints an meiner Ecke angesprochen, dass ich ihnen meinen Pass zeigen soll. Dafür kommen sie diesmal sogar in das Geschäft gestapft, in dem ich gerade einkaufe. Wie schon beim ersten Mal weigere ich mich und frage sie im Gegenzug nach ihrem Ausweis. Man weiß ja nie. Ein letztes Glotzen, und der Polizist verschwindet.

Abends sehe ich sie auf der stockdunklen Straße hocken, in regelmäßigen Abständen von ihrem Blaulicht beschienen. Damit sie nicht erfrieren, machen sie kleine Feuer aus Müll, den sie von der Straße klauben, denn Mäntel haben sie nicht.

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Eine Antwort to “Im Schein eines Blaulichts”

  1. Lesemarie Says:

    Die Polizisten sind doch bemitleidenswerte Leute. Nicht verwunderlich, dass es vielen an Zuverlässigkeit mangelt. 😦
    Dagegen leben ihre Berufsgenossen in Mitteleuropa ja geradezu wie die Made im Speck.

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