Wild ist der Osten, schwer ist der Beruf

„Siehst Du all die Leute hier? Und all die Privatfahrzeuge, die anhalten? DAS ist unser öffentlicher Nahverkehr,“ erklärt mir mein Kollege. Wer sich in der Metropole bewegen will, wartet nicht auf einen der altersschwachen, überfüllten Busse. Stattdessen signalisiert man vorbeifahrenden Autos, in welche Richtung man möchte, und wenn Platz ist, nehmen sie einen mit. Kabul wäre für Verkehrsexperten einerseits ein Alptraum. Viel zu viele Autos, die meisten von ihnen obendrein viel zu alt, verstopfen und verpesten die Straßen. Andererseits jedoch bringt die Kultur des Mitfahrenlassens mit sich, dass die Fahrzeuge sehr gut ausgelastet sind.

Der Fahrer, mit dem wir unterwegs sind, kommt aus der Provinz. Auf seinem Heimweg nimmt er immer Leute mit, um sich so die Benzinkosten zu sparen. Ob er nicht manchmal Zweifel an den guten Absichten seiner Mitfahrer habe? Er lacht. Die sollen ihm mal kommen. Aber gestern, da hätte er versehentlich einen Taliban aufgesammelt. Wir warten gespannt, wie es weitergeht. Der Taliban, erzählt er, sei ganz schön geschafft gewesen vom ganzen Kampf. „Wie, in deiner Provinz?“ fragen wir. „Nein, in Pakistan. Und er hat gesagt, die pakistanische Regierung geht gerade hart gegen die Afghanen in ihrem Lande vor.“ – „Gegen die afghanischen Taliban?“ Der Fahrer schüttelt den Kopf, nein, gegen die Zivilisten. Die würden alle rausfliegen. Ich deute an, es könnte einen Zusammenhang zwischen den Kämpfen und dem Verhalten der pakistanischen Regierung geben. Das scheint keine populäre Theorie zu sein.

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