Abzug feiern

Ich bin erstaunt, dass der vierzehnte ist, und das Team ist erstaunt, dass ich erstaunt bin. Sie werfen sich betretene Blicke zu. Ob etwas bei uns zu Hause nicht stimmt? Ich wiegele ab, es sei doch so ein angelsächsisches Konzept, in Deutschland würden wir den Valentinstag gar nicht richtig feiern. Auch in Afghanistan scheint es gerade erst anzukommen. „In Peschawar war das immer groß, aber als wir uns heute morgen im Auto angeschaut haben, ist uns aufgefallen, dass wir alle schwarz tragen, keiner was rotes.“ Die drei Herren klappen fast gleichzeitig ihre Jacken auf und deuten angeberisch auf die rot abgesetzten Nähte: „Wir haben doch was! Aber versteckt!“ – „Und ich hatte wirklich gedacht, Valentinstag sei morgen, wenn hier doch auch Feiertag ist.“

Der 15. Februar ist in Afghanistan der Tag des sowjetischen Abzugs. Verständnislos schütteln meine Mitarbeiter den Kopf. Das sei kein großer Feiertag. Die Regierung würde ihn auch nicht so hoch hängen, und daher kämen sie morgen zur Arbeit. Ich lache: „Wenn hier mal alle wieder abgezogen sind, hättet ihr sonst auch ganz schön oft frei!“ – „Und wenn wir noch die ganzen historischen von Römern und Briten dazunehmen, müssten wir langsam die paar ‚Nicht-Feiertage‘ begehen.“

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2 Antworten to “Abzug feiern”

  1. Fährfrau Says:

    Mit so einer Feiertagsdichte wäre Afghanistan dann quasi das Bayern des Ostens. 😉

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