Das Bild zur Straße

Meine Klagen über die mangelnden Orientierungspunkte in unserem Viertel sind erhört worden! Über Nacht sind an den Hausecken nicht nur die Straßennummern aufgesprüht worden, sondern auch Symbole, damit man sie leichter identifizieren kann. „Schau mal, das ist doch nett. Weizen!“ – Bei den nächsten Straßen scherzen wir noch über die triefend roten Fußgänger, die die Wand hochlaufen – und warum man wohl landende Hubschrauber und ein Dollar-Zeichen ausgesucht hat.

In Straße 2 und 3 sind die Graffittikünstler mit dem Zählen durcheinander gekommen. Von entgegengesetzten Enden bilden beide den afghanischen Gegensatz zur Sesamstraße – die  „Mohn-Straße“, während  auf dem blutroten Gästehaus in Straße 3 zusätzlich ein Militärfahrzeug mit aufmontiertem Maschinengewehr prangt.

Die Spannung steigt, während ich dem Büro näher kommen, denn ich erinnere mich noch lebhaft an die Symbole, die man bei der Präsidentschaftswahl an die einzelnen Kandidaten vergeben hatte. Wird unseres vielleicht die Klospülungsgasse? Oder der Fleischwolfpfad? Viel besser ist es jedenfalls nicht: Unser Büro befindet sich ausgerechnet in der Straße, die von einem bärtigen Männchen mit Panzerfaust verunstaltet wird.

Ich frage meinen Kollegen, wie er die Straße dem Bild nach nennen würde. Er wirft mir einen langen Blick zu: „Nun, da haben wir nicht viele Möglichkeiten. Jeder erkennt sofort, dass der Typ eine RPG-7 auf der Schulter hat. Wir arbeiten in der RPG-Road, würde ich sagen.“

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