Feiern will geplant sein

Gar nicht so leicht, in Kabul Geburtstag zu feiern. Ein Teil der Wunschgäste darf das Gelände seiner Institution grundsätzlich nicht verlassen, die Norweger dürfen in die Restaurants A, B und C gehen, die Amerikaner dagegen in E, F und G … wieder andere dürfen nur vor 10 – und natürlich schwebt über allem das Damoklesschwert der „White City“, der akuten Ausgangssperre wegen Anschlagswarnungen.

Angesichts dessen erscheint unser Garten die beste Option, auch wenn es eigentlich noch nicht das Wetter dafür ist. Die Kolleginnen der Polizeimission Eupol kündigen den Besuch eines Beraters an, der vorab überprüfen soll, ob unser Haus auch für sie sicher genug ist. Der dazu Abgestellte ruft mich an: „In WELCHEM Stadtteil seid ihr noch mal?“ Unser zentral gelegener Stadtteil ist nicht auf seiner Karte verzeichnet. „Noch weiter als das Botschaftsviertel?“ klingt aus seinem Munde, als beginne dort das Herz der Finsternis.

Dementsprechend sind unsere telefonischen Koordinierungsversuche ein Dialog der Einäugigen. Ich habe Geschäfte und Restaurants als Orientierungspunkte, für ihn besteht Kabul aus Regierungseinrichtungen und GPS-Koordinaten. Leider ist auch sein Fahrer weder von hier noch des Dari mächtig, so dass das üblichere Prozedere, mein Telefon an einen der Wächter weiterzugeben, nicht funktioniert. Nach vielem Hin und Her mache ich mich schließlich zu Fuß auf den Weg und treffe ihn an einer Straßenecke, von der aus wir gemeinsam zu unserem Haus fahren. Während wir die Lehmpfade und uferlosen Schlammlöcher durchqueren, überlege ich, ob überhaupt das Tor zu unserem Grundstück aufgeht und groß genug für das Auto ist. Seit die Nachbarn ihr Haus eingerissen haben, steht unsere Gartenmauer ziemlich schief und wir haben das bedenklich zerdrückte Tor vorsichtshalber nicht mehr angerührt.

„Wieviele Tore hat denn das Gelände?“  – „Nur eins.“ – „Und wo parkt ihr?“ – „Wir haben kein Auto.“ Mit Fragen nach unseren Sicherheitsmaßnahmen, nach der Bewaffnung unserer Wächter, nach den Nachbarn erkundet der Sicherheitsbeauftrage etwas, das auf ihn nur wie ein Paralleluniversum wirken kann. Eupol hat einen militärisch anmutenden Campus, man wohnt in Containern und fährt hochgerüstet und gepanzert. Ich bin freudig überrascht, als meine Freundinnen mich am nächsten Tag anrufen. Sie dürfen kommen – allerdings nur mit bewaffneten Begleitern. Sei es drum, Hauptsache, sie können kommen. In diesem Fall riskieren wir lieber, dass unser Tor einstürzt, als dass die Jungs draußen stehen und Aufmerksamkeit erregen.

Erstmal gilt es jedoch, den Eingang zu unserem Grundstück überhaupt zu finden. Seit die Nachbarn auf den Grundfesten des alten Hausesn neu bauen, lagern sie alles Material direkt vor unserer Tür statt vor der eigenen oder noch einfacher – zwei Meter weiter vor der langen Mauer wo es niemanden stören würde.

Von unseren anderen Nachbarn weiß ich schon, dass sie eine Eskorte brauchen, um zu uns zu kommen. „Das ist aber wirklich das Minimum,“ erzählt die eine. „Normalerweise fahren wir nicht nur mit einem Fahrer sondern haben auch noch jemanden im Auto, der für uns and die Tür klopft.“ Erst, wenn er sichergestellt hat, dass alles in Ordnung ist, dürfen sie aussteigen.  „Ja,“ strahlt die andere, „ist zwar lächerlich in Anbetracht dessen, was hier sonst so alles passiert – aber ich freue mich tierisch drauf, eines Tages an einem anderen Ort wieder selbst klingeln zu dürfen.“

Advertisements

Eine Antwort to “Feiern will geplant sein”

  1. Lesemarie Says:

    Bless you God – warum dürft Ihr eigentlich noch dort sein???
    Or would you like to have a tank of your own?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: