Bach meets Bacon

In Kabuls kultureller Ödnis gibt es einen Lichtblick: Musiker des Heeresmusikkorps geben schon das zweite Konzert innerhalb einer Woche, und wir sind eingeladen. Das Camp liegt an der Jalalabad Road, an der die Taxifahrer mittlerweile das 2,5-fache des normalen Fahrpreises verlangen, weil auf der Straße so viele Anschläge stattfinden. Weder für unseren Fahrer noch fürs Auto haben wir eine Zugangsberechtigung, so dass wir uns am Tor angekommen zu Fuß auf den Weg hinein machen. Auch wenn wir alle drei keine Hünen sind, bekommen wir Beklemmungen bei den schmalen Gängen, durch die wir laufen.

Der Empfang durch das Sicherheitspersonal ist geradezu landestypisch:  viele Leute, die in unwirtlicher Umgebung zu wenig zu tun haben und ihre Kontrollpflichten sehr genau nehmen – sie aber aber alle unterschiedlich verstehen. Außerdem verstehen wir sie nicht so gut, da sie im wesentlichen Georgisch sprechen. Ich sehe, wie es hinter Madame C’s Stirn arbeitet. Jede Wette, wenn wir sie hier zurückließen würde sie nach dem Konzert perfekt georgisch parlieren, so ein Sprachtalent ist sie. Bevor wir das ausprobieren können, werden wir jedoch reingeholt.

In einem Kirchenraum spielen die Musiker gegen den Kneipenlärm von nebenan und die Generatoren draußen an. Das stört aber keinen, denn es sind wirklich einige großartige Musiker dabei – und einige Stücke, bei denen ich vor Lachen fast vom Stuhl falle. „Hänsel und Gretel“ als Ragtime oder Tango in Kabul, besser könnte es wirklich nicht sein.

Nach dem Konzert erweckt Herr …shinken meine Aufmerksamkeit. „Sagen Sie, wie spricht man Ihren Namen richtig aus ‚…s-hinken‘ oder ‚…schinken‘?“ Er blickt mich durchdringend an: „Sehen Sie da etwa ein ‚C‘?“ Natürlich sei es ‚…s-hinken.‘ Ich zucke mit den Achseln und deute auf den Dari-Schriftzug darunter: „Tut mir leid … nur auf Dari steht da eindeutig „…SCHinken.“ – Entgeistert schaut Herr …s. an sich herunter: „Was??? Mit dieser Würmchenschrift habe ich mich nie befasst! Und nun bin ich vier Monate so rumgelaufen?“

Auch sonst kann ich bei diesem Mann heute wenig richtig machen, was damit anfängt, dass ich die falsche politische Richtung vertrete. Ich deute auf die Stifte, die in seiner Ärmeltasche stecken. „Farblich und von ihrem Material her würden die hervorragend zu uns passen.“ – „Ach, das ist nur was Katholisches!“ Der ‚richtige‘ Stift, ein Metallkugelschreiber der für ein protestantisches Ansinnen wirbt, steckt in seiner Brusttasche.

Advertisements

2 Antworten to “Bach meets Bacon”

  1. Fährfrau Says:

    Klar, das Wichtigeste trägt er ganz nah am Herzen! 😉
    So sprachverächtlich und griesgrämig unterwegs, ich find, den Schinken hat er verdient! :-)))

  2. B.-Blocker Says:

    An ihren Stiften sollt Ihr sie erkennen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: