Licht ins Dunkel

An – aus – an  – aus, unserere Beleuchtung wechselt heute im Minutentakt. Ich sage dem Wächter, er solle überprüfen, wo der Wackelkontakt sitzt. Yasser murmelt kryptisch, er „müsse mit der Regierung sprechen“ und verschwindet in der Nacht.

Auch unser russischer Mitbewohner eilt an mir vorbei aus dem Haus. „Ich habe dem Wächter schon Bescheid gesagt,“ rufe ich. Er hält kurz inne. Leider verstehe ich nach wie vor nur die Hälfte von dem, was er sagt, weil er so leise spricht und einen so ausgeprägt amerikanischen Akzent hat. „Gleiches Problem wie am Flughafen“, höre ich, „Stromausfall“. Ich deute zum Nachbargrundstück und versuche zu erklären, dass es in unserer Straße nur uns betrifft, da hat das Dunkel am Tor ihn schon verschluckt.

Die Elektrizität kehrt zurück und mit ihr auch Yasser, eine Stromrechnung in der Hand. Er muss wirklich mit irgendjemand Offiziellem gesprochen haben. Wie das mitten in der Nacht funktioniert, ist mir schleierhaft.

Einige Stunden später treffen wir unseren Mitbewohner mit einer wunderschönen Russin an, und jetzt begreife ich die Sache mit dem Flughafen. Aus müden Augen strahlt sie uns an: „Wir sollten eigentlich vier Stunden unterwegs sein – Moskau-Kabul direkt. Dann dieser Stromausfall, und nach einigen Stunden des Kreisens mussten wir in Bishkek, Kirgiesistan landen.“ 24 Stunden hätte es somit insgesamt gedauert, und über russischen Würsten und Wodka sei im Flugzeug gemutmaßt worden, hinter dem Stromausfall stecke vielleicht eine amerikanische Verschwörung.

Das erinnert mich an einen anderen wiewohl verwandten Verschwörungsverdacht: Am 21. Januar 2009 kam, gleichzeitig mit der Amtseinführung von Barak Obama, der Strom nach Kabul. Davor hatten wir alle paar Tage ein paar Stunden, seither ist es eine fast lückenlose Versorgung. Viele Afghanen haben mir damals zugezwinkert: „Siehst du! Bush hat uns den Strom nicht gegönnt! Mit Obama wird jetzt alles anders!“

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Eine Antwort to “Licht ins Dunkel”

  1. Fährfrau Says:

    Na, jetzt ist doc alles klar! Der russische Mitbewohner ist nämlich letztlich mit Yasser verschwunden, weil seine Russisch-Kenntnisse für die folgenden Verhandlungen erforderlich waren: Da hat sich doch sicher Putin im Energie-Metier vergriffen und auf der Leitung gestanden. 😉

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