Sonderangebote

In Deutschland kann man sich relativ sicher sein, in jedem Supermarkt einer Kette in etwa die gleichen Waren zu finden. In Kabul gibt es nur zwei Supermärkte die zur selben Kette gehören, und auch wenn sie von außen ähnlich wirken, könnte das Sortiment unterschiedlicher nicht sein.

Im „Finest“ in Shar-e Naw bekommt man Bollywood-Tassen, indische Gewürze und pakistanische Milchspeisen, gute DVDs und pinkfarbene Mikrofasertücher. Während an diesem Supermarkt ein Schild verkündet, dass Waffen unerwünscht seien, stehen vor dem „Finest“ im Diplomatenviertel Leute mit harmlos aussehenden Waffen, die aber einem Bekannten aus dem Sicherheitsbereich zufolge das Neueste und Raffinierteste sind, was auf dem Markt ist. Das wird angesichts des bemerkenswerten Warensortiments vermutlich auch gebraucht – chinesische Mittelchen aller Art, schwarz eingepackte Zeitschriften. Hätte Afghanistan je Nashörner gehabt, würden diese pulverisiert die Regale füllen, keine Frage. Angesichts all dessen, was es schon zu sehen gibt, möchte man gar nicht wissen, was vielleicht noch unter der Ladentheke gehandelt wird.

In Berlin besuchte mich vor einigen Jahren eine arabische Freundin, die unbedingt mal in einen Sexshop gehen wollte. Drinnen blickte sie sich um und fragte ebenso enttäuscht wie entgeistert: „Und dafür habt ihr so zwielichtige Läden? Für lauter Sachen, die man in Damaskus öffentlich auf dem alten Basar kauft?“ Sie wird sich totlachen, wenn sie hört, dass man in Kabul dafür in einen Hochsicherheitssupermarkt geht.

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