Trockenfrüchte des Zorns

„Pläne für Nawroz?“ fragt die Grazie, „ich würde ja gerne einen Ausflug machen. Meine Nichten und Schwestern auch, aber einige der Männer in unserer Familie fahren alleine, die anderen gar nicht – und ohne Männer können wir ja nirgendwo hin.“ – Am 21. März feiert man in Afghanistan den Beginn des Frühlings als Anfang des neuen Jahres. Ich frage, zu welcher Gruppe ihr Bruder gehört. „Der möchte einfach nur schlafen.“ Ob sie ihn nicht einfach ins Auto stecken und mitnehmen können, schlafen könnte er schließlich auch beim Picknick?

Die Grazie zieht einen Flunsch und sagt, vermutlich würde ihnen nichts anderes übrig bleiben, als zu Hause zu sitzen und Walnüssen die Haut abzuziehen. Für Nawroz bereitet man in Afghanistan eine spezielle Speise mit sieben Trockenfrüchten zu, „Haft Mewa“: „Ich habe meine Schwester gebeten, auch für das Büro einen Eimer voll zu machen.“ Ich mache große Augen, und sie relativiert: „Also, einen kleinen Eimer.“ Aber Nawroz ohne Picknick, das sei traurig.

Hier schaltet sich Mr. M. ein: „Frauen haben es schwer, hier, und auch in anderen Ländern. Aber es gibt auch einige Frauen mit psychologischen Problemen: die wollen sein, wie Männer.“ – Die Grazie lächelt fein: „Weil ich einen Ausflug machen möchte, heißt das noch lange nicht, dass ich wie ein Mann sein will. Männer sind im täglichen Leben so abhängig von Frauen, dass es  keiner Frau je in den Sinn kommen würde, wie ein Mann sein zu wollen.“

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