Das Biotop der Müllcontainer

„Poppy Palaces“ nennt man die protzigen Villen im Stadtteil Sherpur, darauf anspielend, dass das Geld dafür oft aus dem Drogenhandel stammt. Bei der Hausgestaltung wird nicht gespart. Nach Kräften vergoldet und verspiegelt man, baut hier ein Türmchen, dort ein Treppchen, überlebensgroße Adler oder kitschige Schirmchen sind geradezu ein Muss. Umso trostloser ist dagegen das Drumherum. Oft werden auf die hohen Mauern noch Metallblenden gesetzt, die bunten Fenster hinter Stapeln von Sandsäcken versteckt und Hesco-Container davor aufgebaut.

An anderer Stelle, aber ebenso leer: Müllcontainer in ihrem Habitat

Einige Hausbesitzer scheuen sich nicht, private Straßensperren einzurichten, was den Verkehrsfluss in diesem Viertel nachhaltig beeinträchtigt. Keiner sieht sich jedoch  zuständig dafür, die Straße zu asphaltieren oder wenigstens den Müll in diesem Stadtteil vernünftig zu entsorgen. Legendär ist das Panzerwrack, dass zwischen den Häusern vor sich hinrottet. Ein riesige Platz, der vielleicht ursprünglich als Park gedacht war, ist mittlerweile eine riesige Müllhalde mit einem interessanten Detail: In der Mitte steht ein Müllcontainer – leer. „Wir haben mal versucht, da was reinzuwerfen,“ erzählt Madame M. „Da waren die Wächter aber ganz schnell und haben uns angefahren, wir könnten doch nicht einfach was in einen fremden Container werfen, da wir ja auch nichts dafür zahlten.“ Den Müll davor zu kippen, wäre hingegen völlig in Ordnung.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: