Bloß nicht zu nahe kommen

Die Institution, die wir besuchen, liegt mitten im belebten Herzen der Stadt. Das bedeutet Stau. Obwohl noch kein Krimineller darauf gekommen ist, Leute in einem Stau anzugreifen, fühlt es sich nicht gut an, festzustecken, und ich frage mich, wie die hier beheimatete Organisation sich an dieser Stelle sicher fühlt. Sie scheint eher auf Verschanzen als auf Flucht zu setzen.

Betonelemente (noch in ihrem Nest)

Unser Auto darf nicht aufs Gelände, wir nur nach einer gehörigen Wartezeit auf offener Straße. Allerdings muss der Wächter einem anderen Wächter bescheid sagen, der wiederum nachfragen muss, wohin wir kommen sollen. Wir lagen so gut in der Zeit, aber nun werden wir den Termin doch nicht pünktlich wahrnehmen können. Immerhin sehe ich hinter dem Parkplatz schon den Eingang zum Gebäude.

Nach einiger Konsultation kommt der Wächter wieder. Wir dürfen rein. Dafür aber müssen wir mit dem Auto ans andere Tor fahren. Ob wir nicht einfach zu Fuß über den sicheren Parkplatz laufen könnten? Der Wachmann schüttelt den Kopf: „Verboten.“ Obwohl es nur wenige Meter sind, brauchen wir 10 Minuten von Tor zu Tor. Wir hatten es so verstanden, dass wenn wir gemeinsam dort hin kommen, der Fahrer immerhin auf dem Gelände parken darf. Weit gefehlt: Mein Kollege und ich dürfen zu Fuß rein, den Fahrer schickt man wiederum zurück ans erste Tor.

Einer der Verkaufsschlager, die die zunehmende Besorgnis um die Sicherheit hervorgebracht hat, sind riesige Betonblöcke, die Organisationen auf den Straßen noch vor ihren Mauern aufbauen. Die höchsten dieser Betonblöcke stehen ausnahmsweise einmal nicht vor amerikanischen Einrichtungen sondern vor dem afghanischen Innenministerium. Angeblich kosten sie pro Stück 1000 Dollar, wobei sich mir die Frage aufdrängt, wer sich dieses lukrative Geschäft gesichert hat. Interessanterweise hat man die grauen Monster bei dieser Organisation nach einem rätselhaften Schema auch im Innenhof drapiert. „Vor einiger Zeit hat die Regierung mal begonnen, die Betonelemente vor einem UN-Compound einfach zu entfernen. Das gab einen ganz schönen Eklat, und schließlich hat man davon abgesehen,“ erzählt mein Kollege während wir auf Einlass warten.

Schlagbaumverkauf

Wir haben schon nach einer Viertelstunde alles erledigt. Auf dem Rückweg müssen wir durch das Tor raus, bei dem wir nicht reingelassen wurden. Dafür können wir jetzt über den Parkplatz gehen, der auf dem Hinweg verboten war. Nur der Fahrer ist nicht da. Wir rufen ihn an: Er durfte letztlich doch nicht auf das Gelände, und er durfte auch nicht auf der Straße davor parken. Das ist die Strafe dafür, dass wir einen sonst so schön unauffälligen Corolla fahren – den Organisationen und Institutionen sind kleine Privatfahrzeuge verdächtig. Der Fahrer schäumt, als er sich schließlich wieder durch den Stau gequält hat: „Ich musste bis zur iranischen Botschaft fahren, bevor ich halten konnte. Wenn die das nächste Mal bei uns zu Besuch kommen, werde ich höchstpersönlich deren Fahrer wegscheuchen! Noch nicht mal in die Nähe von unserem Grundstück werden die kommen!“

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2 Antworten to “Bloß nicht zu nahe kommen”

  1. Fährfrau Says:

    Und diese Organisation steckt ganz bestimmt nicht mit den(m) Bösen unter einer Decke? Klingt doch eher so, als legte sie es darauf an, potentielle Ziele möglichst lange im Freien herumzuscheuchen … Hochsitze waren aber nicht in Sicht, oder? Und Du hast auch nirgendwo ein verdächtiges Schild mit der Aufschrift „Kabul Safari“ gesehen?
    Recht hat er jedenfalls, Euer Fahrer!

    • andromeda8 Says:

      Ich weiß gar nicht, wer neulich sagte „Erschieße deine Freunde bevor sie zu Feinden werden“ … also, insofern sind wir noch mal glücklich davongekommen 🙂

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