Arbeit für den Nachbarn

Der Nachbarsjunge hat wieder zugeschlagen. Augenscheinlich ist der Vater neulich nicht nach Hause gekommen, oder er hat nicht mit ihm geredet. Auf jeden Fall hat er diesmal das große Fenster direkt neben der Haustür zerschossen. Der Wächter geht nach drüben, um sich zu beschweren. Wenig später steht der Vater auf unserer Terrasse und begutachtet den Schaden. Er ist zwar ein bisschen betreten, aber so richtig entschuldigen mag er sich nicht. „Der Junge, naja, der ist ja noch so klein …“ Ich versuche ihm deutlich zu machen, dass ein so kleiner Junge keine Zwille haben sollte. Das Glas sei die eine Sache, aber er müsse begreifen, wie gefährlich das sei. Der Vater ruft etwas gen Nachbargrundstück. Kurz darauf tauchen auf dem Dach zwei kleine Mädchen auf und werfen ein pinkfarbenes Maßband über die Mauer. Der Vater verspricht, die Scheiben zu ersetzen und nimmt Maß.

Am nächsten Tag gehe ich seufzend an der natürlich nicht reparierten Scheibe vorbei, als vom Tor her lachend Madame M. kommt: „Weißt du, was der Vater des Jungen mit dem Stein von Beruf ist?“ Ich schüttele den Kopf. „Glaser! Das ist wie bei Charlie Chaplin!“ Auch das Team johlt gleich, und alle versuchen, sich an den Titel des Films zu erinnern. Mr. M. sagt, man sollte herausfinden, aus welcher Gegend die Familie komme. „In manchen Gegenden würden die Eltern ihre Kinder tatsächlich so erziehen,“ – ich kann nur raten, dass es sich dabei nicht um die Gegend handelt, aus der er selbst kommt – „aber wenn der Vater Glaser ist,  dann muss man sich nicht wundern. Wahrscheinlich verschafft der Kleine dem Vater so Geschäfte, nur bei eurem Haus hat er sich vertan!“

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2 Antworten to “Arbeit für den Nachbarn”

  1. Fährfrau Says:

    Ihr seid doch selbst schuld an der Misere! Jawohl, liegt nämlich alles nur daran, dass C. zu häufig unterwegs ist. Wir erinnern uns an den Glasschaden an Deinem Geburtstag und wissen sogleich: Der C. im Haus erspart den Nachbarsjungen!

  2. Beate Steenbock Says:

    Das ist ja witzig! Am 22. saß ich abends in der Hamburger Musikhalle und sah den Film „The Kid“ mit Charlie Chaplin, in der die Glaser-Szene vorkommt. Dazu spielten die Hamburger Symphoniker die Musik (auch von Charlie Chaplin). Den Film auf einer riesigen Leinwand dazu zu sehen, war ein wunderbares Erlebnis!

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