Hund und Härchen

„Ich hatte einen Kampfhahn, der war wunderschön. Wie ein kleiner Saurier ist er durch den Garten stolziert,“ sagt Mr. A und imitiert das Tier mit Hand und Unterarm. „Sehr hoch, aber sehr kurz, sozusagen,“ fügt er erklärend hinzu. In Afghanistan sind Tierkämpfe aller Art beliebt. Ob Hahn, Wachtel, Skorpion oder die im allgemeinen als unrein geltenden Hunde, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Mich erstaunt, dass ausgerechnet Mr. A. ein Herz für Hahnenkämpfe haben sollte, zumal die Tiere, die es ihm so angetan haben, „Kulangis“ sind – starke, große Tiere, die auf Leben und Tod kämpfen. Er schüttelt den Kopf, das Kämpfen würde ihn nicht interessieren, aber wie sie so schön durch den Garten schreiten … solange man nur ein Männchen und ein Weibchen habe, bliebe es auch friedlich.

„Aber es gibt auch Hähne, die nicht so erbittert kämpfen, oder?“ frage ich. Als wir ganz zu Anfang hier waren, habe ich mich am Tor eines Parks amüsiert, weil dort stand, das Mitbringen von Haustieren sei verboten. Trotzdem sahen wir reihenweise Männer dort herumlaufen, die alle einen Hahn unter dem Arm hatten. Wir konnten uns keinen Reim darauf machen, bis wir in einer Ecke des Parks auf eine Hahnenkampfarena stießen.

Selten habe ich afghanischen Männer so liebevoll mit irgendjemandem oder irgendetwas umgehen sehen wie mit ihren Kampfhähnen. Sie besprühten sie mit einem Mundvoll Wasser, tupften sie mit ihren eigenen Halstüchern trocken und sie küssten, wie C einmal schrieb, „ihren Lieblingen die gefiederte Stirn.“ Als ein Hahn im Kampf ein Auge verlor, waren die Männer schnell mit Nähzeug zur Hand. Hier ging es nicht um Leben oder Tod, sondern nur darum, wer der Stärkere ist. Später schritten C und ich an einer Reihe alter Herrn vorbei, die in traditioneller Kleidung und mit Turban an der Mauer lehnten. Ihre Hähne standen erschöpft neben ihnen, und die betagten Besitzer ließen den Kampfvormittag bei einem Joint ausklingen.

Mr. M. sagt: „Das ist doch noch gar nichts gegen diejenigen, die beim Hundekampf den gegnerischen Hund ablecken.“ Wir schauen ihn fragend an. „Manche Hundebesitzer,“ erklärt er, „schmieren ihren Tieren etwas in den Nacken. Irgendwelche Chemikalien. Wenn ein anderer Hund zubeißt, ist das im Maul so unangenehm, dass er gleich wieder loslässt. Um sicherzustellen, dass der Opponent nicht zu solchen Tricks greift, lecken dann halt manche Besitzer selbst am Hund des anderen, bevor der Kampf beginnt.“

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3 Antworten to “Hund und Härchen”

  1. Fährfrau Says:

    Leck er! Wenn mein oller Kater mir morgens mal wieder zu nahe tritt, sollte ich ihm vielleicht einfach damit drohen, zurückzuputzen. 😉

    • andromeda8 Says:

      O leck! Aber meinst Du, nachdem er über Jahre die Chance hatte, Dein Putzverhalten zu beobachten, würde er das noch ernst nehmen ;)?

  2. Fährfrau Says:

    Touché!

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