Die anderen Frühlingsboten

Die Köchin kommt in mein Büro, in der Hand eine Zange. Darin schlenkert ein wütender Skorpion, so groß wie mein Handteller. „Gerade habe ich mich im Bad für den Heimweg umgezogen, da merk ich, dass was in meinem Hosenbein ist. Hab ich mich erschrocken, als dieses Viech daraus gefallen ist!“ sagt sie. Ich hätte bestimmt den Schock meines Lebens bekommen und wäre nicht in der Lage gewesen, mich diesem Tier auch nur mit einer Zange anzunähern.

Wenige Tage später findet sich ein ähnliches Exemplar zwischen den Blumentöpfen auf der Terrasse. Der Fahrer macht eine wegwerfende Handbewegung: Solange es nur die mit einem schwarzen Rücken seien, sei doch alles noch OK.

Madame M. hat mit Skorpionen ihre eigenen Erfahrungen: „Mein Kollege aus dem Panjshirtal war mal da, als wir einen von den großen gefunden haben. Er war total begeistert. ‚Wie wärs, wenn wir sein Gift zusammen rauchen?‘ hat er gefragt.“ Das ist angeblich ein beliebtes afghanisches Rauschmittel. Sie habe ihn so streng angesehen, dass er ihn doch habe laufen lassen, wenn auch nicht ohne ein leichtes Bedauern.

Advertisements

Eine Antwort to “Die anderen Frühlingsboten”

  1. Fährfrau Says:

    Uaaah! Dann aber doch wirklich lieber ganze Heerscharen von Raupen! Ich müsste wohl zuerst etwas rauchen, um mich dann so einem Tier freiwillig zu nähern.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: