Es grünt so grün

Ich liebe das unkontrollierte Wuchern in unserem Garten, die Stockrosen, die sich eigensinnig überall gesät haben, die Clematis, die heimlich von den Mauern Besitz ergreifen und die blühenden Granatapfelbäume und den duftenden Ginster. Wie sich ausgerechnet in den kleinen Blumenkästen auf der Terrasse Tomaten ansiedeln konnten, ist ein Rätsel, aber es ist natürlich praktisch. Allein der Rasen ist eine Sache für sich. Einen Teil habe ich rechtzeitig gemäht. Mit einem mechanischen Rasenmäher – zudem stumpf – ist das gar nicht so leicht. Auf der anderen Seite des Gartens ist jedoch irgendwie Weizen dazwischen geraten. Die Ähren stehen schon ziemlich hoch. Das wird dieser Rasenmäher nicht überleben.

Unser Wächter Ghulam wartet mit einer Alternative auf: Zwei Kuchi-Frauen mit einem kleinen Mädchen stehen vor der Tür. Sie bitten um Gras für ihre Tiere. Kuchis sind die Nomaden Afghanistans – und auch in ihrer Gesellschaft sind die Frauen diejenigen, die die meiste Arbeit verrichten. Mehrere Tage lang bearbeiten sie die wuschligen Wiesen mit ihren Sicheln. In ihren Verschnaufpausen sitzen sie unter dem Maulbeerbaum und trinken Wasser. Obwohl sie wahrscheinlich jünger als wir sind, sieht man wenn sie lächeln, wie viele Zähne ihnen schon fehlen. Wir geben ihnen einen kleinen Obolus. Sie wickeln das abgeschnittene Gras in die Tücher, die sie zuvor um die Schultern hatten, und tragen die riesigen Ballen auf dem Kopf davon.

Der Gärtner hat sich derweil um die Gemüsebeete gekümmert. Wir hatten ihm diverse Samentütchen gegeben. Bei näherer Betrachtung hat er gleich zwei große Flächen mit Kresse besät. Ich rufe Madame M. an: „Wann kommst Du noch mal wieder? Und wie lange braucht Kresse, um zu keimen?“ Sie ist zunächst zuversichtlich und beginnt, von Rührei mit Kresse zu schwärmen. Ich schildere ihr das Ausmaß unserer Plantage. Nach einer kurzen Stille sagt sie: „Meine Mutter würde das Kresseschwemme nennen … jedes Jahr gab es was anderes, Blaubeerschwemme, Erdbeerschwemme, also dies Jahr ist dann ja wohl klar.“ Wir lassen uns überraschen. Wenn dieses Saatgut so aufgeht wie der Rest, werden wir in wenigen Tagen kniehohe Keime haben, derer wir nur noch mit der Heckenschere Herr werden können.

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Eine Antwort to “Es grünt so grün”

  1. Fährfrau Says:

    Wird Zeit, Hühner anzuschaffen! Erstens erhöht das die Chancen, keine toten Küken im Frühstücksei vorzufinden, zweitens könnt Ihr sie dann im Kressebeet weiden lassen – funktioniert bestimmt wie Deichlamm: das Ei schmeckt von allein nach Kresse, so dass Ihr Euch das Ernten und Einrühren spart. 😉

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