Der lange Weg zum Auto

Eine Odyssee ist zu Ende gegangen: Endlich haben wir ein neues Auto fürs Büro.  Auch wir sind jetzt Teil der großen afghanischen Toyota-Gemeinschaft. Wir haben lange überlegt, ob wir nicht am besten – weil unauffälligsten – weiter in den ständig wechselnden Corollas unseres Fahrers aufgehoben sind. Bei den heftigen Regenfällen in den vergangenen Wochen haben wir jedoch einige davon in Schlammlöchern versinken sehen und daraufhin endgültig Abschied von dieser Idee genommen.

Ich finde es abenteuerlich, in Stadtteilen herumzuschauen, die ein einziger Gebrauchtwagenmarkt zu sein scheinen. Gerade an einer Ecke, die ziemlich nett, bunt und belebt aussieht, erklärt mir ein Kollege: „Hier sind früher immer Geiseln gegen Lösegeld ausgetauscht worden, weil es so schön unübersichtlich ist.“ Es sorgt für Verwunderung, dass ich mir Autos ansehen will. Kennt man eines, kennt man alle, lautet hier die Devise. Es geht nach Baujahr und Zylindern – alles weitere lasse sich doch sowieso nicht wirklich herausfinden. Viele der Wagen haben Nummernschilder aus den USA, aus Kanada oder Europa: „Alles Unfallwagen,“ erklärt mir Mr. A. „Man weiß nie so genau, was man da eigentlich kauft, sondern kann nur hoffen, dass es nichts Großes war.“

Um die Preise nicht zu verderben, bleibe ich der weiteren Suche fern. Gleichzeitig muss ich natürlich letztlich über Preis und Auto entscheiden. So werden uns einige Wagen vor der Nase weggeschnappt, bis das Team mit diesem Auto vorfährt. In Deutschland ist das Klischee, dass Frauen auf die Frage, was sie für ein Auto haben, die Farbe nennen. Hier bin ich es, die sich nach Kilometerstand und Motor erkundigt, während die Herren bewundernd die riesige Lautsprecheranlage streicheln, die den halben Kofferraum einnimmt. Ich grinse: „Wie, Lautsprecher, aber keine von diesen sich selbst ausfaltenden DVD-Anlagen?“ spotte ich. „Nein,“ sagt der Fahrer und deutet auf die Konsole, „Touchscreen.“ Jetzt schauen wir jeden Morgen auf der Fahrt ins Büro BBC-Nachrichten. Zumindest, wenn nicht der Störfunk vorbeifahrender Militärkonvois unseren Fernsehempfang lahmlegt.

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2 Antworten to “Der lange Weg zum Auto”

  1. hondaforone Says:

    na, dann wissen wir doch endlich, was WIRKLICH wichtig ist am Auto.

  2. b.-blocker Says:

    dann fehlt nur noch die autoaufschrift „Liebe verwandelt die Dornen in Blumen“….

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