Fisch in den Bergen

Das Wetter ist zu dieser Jahreszeit einfach fantastisch. Es ist meist warm und sonnig, regnet aber fast jeden Tag. Wir machen einen Picknickausflug nördlich des Salang-Passes. Als wir das letzte Mal hier waren, gestaltete es sich mühsam, den Berghang zu erreichen, weil es nur an einer Stelle eine Brücke über die dieses Jahr größeren Bäche und Ströme gab. Mittlerweile hat man sich an weiteren Stellen mit schwankenden Leitern beholfen.

Kaum verharren wir am Fuße des Berges, sind wir von einer Gruppe Afghanen mit amerikanischem Akzent umringt: „Hey man, how’s it going?“ brüllt mich einer an. „What’s up?“ setzt der andere nach. Nachfragen bestätigen, was ich mir bei Ton und Lautstärke bereits dachte: Sie haben in Kabul mit amerikanischem Militär zusammengearbeitet. Zum Glück ist ihnen ein Aufstieg zu mühsam. Sie bleiben an der Flussbiegung zurück, während wir weiter nach oben streifen. Wir hören noch, wie der Generator angeworfen wird, damit sie ihre Musikanlage betreiben können. Allerdings erfordert es ziemliches Aufdrehen, damit diese wiederum den Generator übertönt.

Oben auf dem Berg kommt ein Mann mit fünf Kindern an. Englisch spreche er nicht, aber Russisch. Am liebsten würde er mir seine kleine Tochter vorstellen, aber sie versteckt sich hinter seinem Bein. Sie sehen, wie ich ein Insekt auflese und kommen später noch einmal zurück: „SISTER!“ ruft der Mann, und dann auf Dari: „Ich hab noch eines!“ er schwenkt einen riesigen Käfer, den er voll Abscheu an einem Bein hält. Mit großen Augen verfolgt das Mädchen, wie ich ihn nehme. „Wenn du mal nach Pul-e Chumri kommst, besuch mich. Dubai Market, 5. Stock!“ ruft der Mann und verabschiedet sich.

Am Ufer kommt ein alter Mann auf uns zu, in der Hand eine Angelrute. „Hast du Fisch gefangen?“ fragt C. Der alte Mann humpelt strahlend auf uns zu und schüttelt uns die Hände. „Fisch,“ bestätigt er, und zieht aus der Tasche seines Umhangs eine Tüte mit zwei frisch gefangenen Exemplaren. „Esst ihr?“ fragt er und legt den Kopf schief. Wir lehnen dankend ab, und glücklich zieht der alte Herr weiter seiner Wege. Später halten wir an einem kleinen Restaurant. Es ist eher ein Zelt mit Küche. Dahinter aber können wir direkt am rauschenden Fluss auf einer Matte sitzen und bekommen frisch fritierte Flussforellen mit Zitrone.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: