Bedürfnisse im Überfluss

Toiletten für religiöse Einrichtungen in Afghanistan, so preist der von mir sehr geschätzte ehemalige Abgeordnete Winni Nachtwei, sollte man als vertrauensbildende Maßnahme und als Entwicklungsinstrument nicht unterschätzen. Mir prägte sich das besonders ein, weil er bei einer Veranstaltung in Berlin höchst bildlich hinzufügte, ob das  „ein Tropfen auf den heißen Stein oder aber ein ständiger kühlender Strahl“ sei, ließe sich oft nicht eindeutig beantworten.

Inhaltlich kann ich ihm nur beipflichten, denn wenn ich durch Kabul gehe oder laufe, sehe ich den Mangel. Die meisten Männerd auf der Straße schenken mir ihre volle Aufmerksamkeit, wenn ich zu Fuß gehe, und ich schaue sie deswegen nicht an. Ein kleiner Teil erscheint still und mit sich selbst beschäftigt, und deswegen schaue ich diese Männer nicht an. Nicht selten liegt die Funkstille nämlich daran, dass sie gerade damit befasst sind, an Mauern oder in Gräben zu pinkeln.

„Die kennen da wirklich nichts!“ erzählt eine afghanische Freundin. „Mein Bruder hat mal einen auf frischer Tat an unserer Hauswand ertappt. Er hat ihn so heftig geschlagen, dass er sich dabei die eigene Hand verletzt hat.“

Öffentliche Toiletten gibt es – zumindest habe ich schon einige Häuschen gesehen, auf denen „Public Toilet“ steht. Ob sie benutzt werden, habe ich bislang nicht herausgefunden. Vielleicht ist das ein Projekt, das von wohlmeinenden Gebern hingestellt worden ist, die danach versäumt haben, die Leute auch damit vertraut zu machen. Afghanische Freunde, die den Bau einiger Schulen unterstützt haben, denken zumindest in diese Richtung: „Du hast ja unsere Schule gesehen, alles super, und diese topmodernen Toiletten. Aber die haben wir nur bei der Eröffnung kurz gezeigt und dann wieder abgeschlossen.“ An anderer Stelle auf dem Gelände hätten sie traditionellere Klohäuschen gebaut, damit die Leute sich erstmal an Sanitäreinrichtungen überhaupt gewöhnen. – “ Was denkt ihr,“ frage ich, „wann werdet ihr die neuen Toiletten einweihen?“  – „Wir haben uns überlegt, vielleicht in vier Jahren.“

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Eine Antwort to “Bedürfnisse im Überfluss”

  1. hondaforone Says:

    Vielleicht sollten die modernen Sanitäreinrichtungen etwas wohnlicher gestaltet werden? Sagtest du nicht mal, dass Geranien weit verbreitet seien? Jeder kann sich dann gleich dort heimisch fühlen :)).
    Erinnere dich….

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