Zickige Teenager

Gemüsehändler und Bäcker freuen sich, wenn ich komme, der kleine alte Herr aus dem Tante-Emma- respektive Onkel-Hafizullah-Laden macht mich immer ganz verlegen mit seinen Geschenken, und Sarah hat mich so in ihr Herz geschlossen, dass sie mich auf der Straße schon von weitem erkennt und sich jauchzend in meine Arme wirft. In unserem Viertel sind relativ viele Ausländer unterwegs, aber sie sind noch immer eine Attraktion.

Oft höre ich Kinder oder Erwachsene hinter meinem Rücken „Ausländerin! Guck mal eine Ausländerin!“ raunen. Bei Kindern drehe ich mich meistens um und plaudere mit ihnen. Besonders, wenn sie Fremdsprachen lernen, sind sie immer begeistert, ihr Englisch, Deutsch oder Französisch mal ausprobieren zu können. Die, die mich auf Dari ansprechen, sind oft erstaunt, wenn ich ebenso antworte. „Kommt, kommt! Die spricht Dari!“ johlte neulich ein kleiner Junge seinen Klassenkameraden zu, als er gerade aus dem Schulbus gesprungen war. Der Fahrer hatte Mühe, die anderen alle wieder zum Einsteigen zu bewegen.

Die Größeren verfolgen meine Anbandelversuche mit Kindern mit einem gewissen Neid. Als ich neben einer Clique männlicher Jugendlicher mit kleinen Mädchen Höflichkeiten austausche, flötet einer der Halbwüchsigen in einschmeichelnder Stimmlage: „Miao. Wir möchten auch Kinder sein, damit du auch mit uns redest, miao.“  Wenig später kommen mir zwei Jugendliche entgegen. Einer hat eine Fönfrisur, der andere nach hinten gegelte Haare. Ihre Kleidung ist der letzte Schrei in Kabul – enge Jeans mit Stickereien, hautenge T-Shirts – und das, obwohl man in Afghanistan auch als Mann eigentlich keine bloßen Arme zeigt. Während sie sich möglichst nah an mir vorbeidrücken, herrscht mich einer von ihnen an: „Close the button!“ – In der Tat, zwischen meinem halbherzigen Kopftuch und dem Kragen ist ein Streifen Haut zu sehen, aber von diesen beiden hätte ich nun wirklich keinen Kommentar erwartet. Leider bin ich zu perplex, um ihnen eine geeignete Antwort zu geben.

Da lobe ich mir den gebeugten kleinen alten Mann mit weißem Bart, weißem Gewand und weißem Turban, der eigens über die Straße geschluft kommt, um mir glücklich die Hand zu schütteln und mich zu fragen, ob ich Tee trinken möchte.

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