Göttliche Energie

Ich muss lachen, als ich zwischen all den gutgekleideten und gepflegten Gästen einen Herrn erblicke, der sich zwar auch in einen eleganten Shalwar Khamis geworfen hat, sich aber bewusst in möglichst machohaften Positionen fläzt, seine schlappenbewehrten Füße auf den Gang streckt, und die verschränkten Arme nur gelegentlich auseinander nimmt, um den traditionellen Wollhut etwas fester auf seinen runden Schädel zu ziehen. Ich frage mein Team, von welcher Organisation er kommt und ob er tatsächlich in diese Veranstaltung wollte. „Schhhhh,“ zischt die Grazie, „das ist derjenige aus dem Expertenkomitee, der unbedingt die Nationalhymne wollte … und die islamischen Slogans!“

Er hat uns damit Denkanstöße geliefert. So hat eine Kollegin bei einer anderen Veranstaltung die sonst übliche Koran-Rezitation zu Beginn nicht mit ins Programm aufgenommen. „Hast du keine Angst, dass es jemand krumm nimmt?“ hat eine andere Kollegin gefragt. „Wir sollten die Sphären nicht miteinander mischen,“ antwortete sie, und hat damit durchaus recht: Was, wenn wir zwar den Koran rezitieren lassen, aber dann passt jemandem die Veranstaltung nicht? Das könnte rasch als Blasphemie ausgelegt werden.

Als es auf das Ende der Veranstaltung zugeht, ergreift der Besagte das Wort. „Es geht nicht an, dass wir die Lehren des Propheten, Gott hab ihn selig, nicht respektieren. Wir reden hier über Solarenergie, Windenergie, Müllentsorgung, Emissionsbeschränkungen. Viel mehr würde es jedoch bringen, sich an das Wort Allahs zu halten, den damit würden wir die Umwelt perfekt schützen und bräuchten das alles nicht.“ Die Hälfte des Saals knirscht mit den Zähnen, die andere Hälfte hält den Atem an. Es ist gefährlich, sich in diese Debatte ziehen zu lassen, und daher eine unangenehme Situation.

Der Moderator, ein gelassener älterer Herr, ergreift das Wort. „Vielen Dank für den Beitrag. Ich weise darauf hin, dass – wie auch kaum jemandem entgangen sein kann – viele unserer heutigen Redner sich auf Koranverse  bezogen haben. Wir haben im Vorfeld diskutiert, ob wir die Rolle des Islams noch stärker betonen wollen, und uns dagegen entschieden, da wir auch von den Gelehrten und Professoren am heutigen Tage vieles zu lernen haben. Vielen Dank.“

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Eine Antwort to “Göttliche Energie”

  1. RevolutionaryGirl Says:

    Der Moderator war in der Tat ein sehr mutiger und vor allem auch ein sehr beeindruckender Mann, übrigens auch der Vater eines berühmten Parlamentskandidaten 🙂

    Der Islam-Typ war total nervig, ich war froh, dass wir den nicht mehr nach der Veranstaltung sprechen mussten!

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