Vom Nutzen der Bäume

Wir sind unterwegs um zu schauen, wieviel die Schüler in dem Programm einer Partnerorganisation über Umwelt gelernt haben. Die Schule, die wir besuchen, ist neu und liegt weit entfernt von allem. Bis zu zweieinhalb Stunden Fußweg haben die Schülerinnen und Schüler jeden Tag zurückzulegen. „Die Stadt möchte, dass die Leute, die in den Höhlen wohnen, dort ausziehen,“ sagt ein Kollege. Er deutet auf die Felswand, in der unter anderem die beiden Buddha-Statuen gestanden haben. Sie ist voller Höhlen, bei denen man die vom Kochen auf offenem Feuer geschwärzten Decken sieht. „Wenn sie auf dieser Freifläche bauen würden, läge die Schule in der Mitte,“ meint er.

Im Gebäude klingt es genau wie in einer deutschen Schule, die Kinder kreischen, lärmen und toben durcheinander. Der Rektor bittet uns zu sich ins Zimmer. „Der Lehrer muss erst Ordnung schaffen,“ sagt er. Wir nehmen auf einem Sofa Platz, auf dem wir so tief sitzen, dass wir genau in ein altes Holzpult schauen. Darin liegt ein Englisch-Lernheft mit einem Gedicht, um die Zahlen zu lernen. Insbesondere die letzten beiden Zeilen haben es mir angetan: „Seven, eight: God is great/Nine, ten: The best thing is pen“.

In der ersten Klasse, die wir besuchen, sind die Mädchen nicht nur in der Überzahl sondern auch deutlich selbstbewusster. Im Handumdrehen erklären sie den Nutzen von Umweltschutz. Ich frage, ob jemand einen Baum an die Tafel malen kann. Endlich reckt auch ein Junge die Hand. An der Tafel verlässt ihn jedoch der Mut. Er skizziert, korrigiert dann, setzt neu an. Währed er mit dem Resultat immerzufriedener wird, vertiefen sich die Falten auf der Stirn des Lehrers. Schließlich fordert er ihn auf, sich wieder zu setzen und wischt rasch die Sonnenblume weg.

Unser nächster Anlauf, einen Baum gezeichnet zu bekommen, ist schon besser. Mit zwei Strichen und einer wolkigen Baumkrone ist das Werk vollbracht. „Was ist das für ein Baum?“ frage ich. „Na, ein wilder Baum natürlich.“ – „Und wie sieht ein nicht so wilder Baum aus?“ Ein zierlicher Baum mit feinen Blättern entsteht neben dem ersten. Der Lehrer souffliert: „Fehlt da nicht noch was? Unten?“ Nach kurzem Überlegen zieht der Junge einen horizontalen Strich. Das sei die Erde. Der Lehrer fragt, ob da nicht auch noch Wurzeln seien. Der Junge guckt ihn streng an: „Ja. Aber die sieht man doch nicht!“

Auf einem Plakat neben der Tafel steht, der Islam halte jeden zum Schutz von Tieren und Pflanzen an. Mr. M. fragt die Schüler, warum das so sei. Ein Mädchen hebt die Hand: „Die Tiere können ja nicht an den Brunnen gehen und sich einen Eimer Wasser hochziehen. Deswegen müssen wir das für sie machen.“

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2 Antworten to “Vom Nutzen der Bäume”

  1. Fährfrau Says:

    Da wächst im Sonnenblumenzeichner ganz klar ein prima Gärtner heran – Deiner Aufforderung „Alles, bloß keine Geranien!“ käme er in gleicher Weise nach wie Dein ausgewachsenes Exemplar. 🙂

  2. RevolutionaryGirl Says:

    Hahahaha, die Schüler in Bamyan waren großartig!

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