Zwiebeln in der Einflugschneise

„Der Flug verzögert sich, weil der Flughafen Kabul nicht in der Lage ist, größere Passagierströme am frühen Morgen abzufertigen,“ lautete die Durchsage bei meinem jüngsten Flug nach Frankfurt. Das wundert mich nicht, denn der Sicherheitsparcours des Flughafens ist erratisch. Alle Passagiere müssen in der gleichen Schlange anstehen, um in den Flughafen hineinzukommen, zwischendrin an den Schaltern trennt es sich, aber in der Schlange für Pass- und Sicherheitskontrollen trifft man sich wieder. Bereits vor Betreten des Flughafengeländes muss man durch die ersten Sicherheitskontrollen. Für Frauen heißt das, dass sie durch ein kleines dunkles Kämmerlein geschleust werden, in dem drei Damen vor einem Fernseher sitzen. Je nachdem, an welchem Punkt des Bollywood-Dramas man gerade stört, wird man durchsucht oder auch nicht, und wenn man versehentlich den Blick aufs Geschehen versperrt, ist man mit einem unwirschen Wedeln der Kontrolleurinnen verabschiedet.

Am nationalen Flughafen in Bamiyan sieht das Ganze noch entspannter aus. Nachmittags auf dem Nachhauseweg toben Schüler über das Flugfeld. Die wenigen Passagiere warten in einem kleinen Open-Air-Café, das die Wartehalle ersetzt. „Wo ist denn hier die Toilette?“ frage ich, denn in Kenntnis der Kabuler Verhältnisse bin ich Stunden zu früh gekommen. Allgemeines Kopfschütteln: „Gibts nicht.“ Ich lege eine gewisse Dringlichkeit in meinen Blick, und man hat Erbarmen: „Geh mal drüben zur Verwaltung.“

In dem kleinen Gebäude sehe ich viele Schuhe auf dem Flur, aber es ist seltsam ruhig. Durch die offenen Bürotüren sehe ich, warum: Die Angestellten liegen auf Sofas und Matten auf dem Boden – und schlafen. Nur einer macht sich gerade gemächlich auf dem Weg nach draußen, um in der Mittagshitze die Zwiebeln im Gemüsebeet neben der Rollbahn zu gießen.

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5 Antworten to “Zwiebeln in der Einflugschneise”

  1. Heiner Toenne Says:

    in Bamyan ist das auch sehe gemütlich. In Faizabad sass ich neulich am „Flughafen“: 1 Gebäude, ein Haufen Polizisten, die wohl Pause machten, kein Strom. Und die Polizisten fragten mich dauernd, wohin ich denn fliegen wollte. Man kann von dort aber eigentlich nur nach Kabul fliegen… Irgendwann kam dann auf der Wellblechpiste das Propellerflugzeut an.

  2. Heiner Toenne Says:

    Aber in Kabul nervt es manchmal schon, finde ich. 3 Stunden früher am Flughafen ist fast schon zu spät. Bei meinem letzten Flug nach FFM stiegen wir um 09.30 h ein, Abflug sollte um 09.00 h sein. Um 10.30 haben wir dann abgehoben….

  3. RevolutionaryGirl Says:

    Der Kabuler Flughafen ist ein Albtraum! Mein Flug war um 7:30 Uhr, ich war um 6, schon total panisch, weil ich dachte ich sei zu spät, zum Glück konnten wir mit unserem Auto ganz vor fahren, dann stand ich aber eine halbe Stunde in der Warteschlange (Ladies only) nur um in den Flughafen reinzukommen, und dann noch mal von 6:30-10 Uhr in der Check-in-Schlange und um 10:30Uhr bin ich dann endlich geflogen. Ich war mit 3h Verspätung in FFM!!!

    • andromeda8 Says:

      Stell Dir vor, als Madame C neulich nachts gelandet ist, war das Flughafenpersonal bereits nach Hause gegangen, alles dunkel, Gebäude zugeschlossen, keiner wusste, wo der Schlüssel ist … erst nach einer Stunde ist jemand gekommen!

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