Das Beste wollen und Schlimmste befürchten

Eigentlich ist Afghanistan kein schlechtes Land für Vegetarier. Es gibt köstliche Gerichte aus Linsen und Auberginen, roten Bohnen, Kichererbsen oder Kartoffeln. Insgesamt aber genießt Fleisch eine weitaus höhere Wertschätzung. Das macht es manchmal problematisch, wenn wir Gäste aus Deutschland haben, die Vegetarier sind: So wichtig, wie die Gastfreundschaft ist, geht es aus der Sicht afghanischer Gastgeber nicht an, seinen Gästen kein Kebab oder „Kabuli Pilau“, Reis mit Rosinen, Karotten und Fleisch, zu servieren. Der hohe Stellenwert von letzterem Gericht drückt sich auch in der afghanischen Redewendung aus, man sei „angezogen wie zum Pilauessen“, also sehr fein.

Aus Prinzip Fleisch zu meiden, ist schwierig zu vermitteln. So zählen Hühnchen nicht für jeden Afghanen als richtiges Fleisch, oder man kann sich einfach nicht vorstellen, dass jemand freiwillig verzichtet. In einem Restaurant versicherte sich ein Bekannter, dass die mit Lauch gefüllten Teigtaschen wirklich vegetarisch seien. Allerdings kamen sie mit einer Fleischsoße bedeckt. Das führte zu beiderseitiger Zerknirschung, da der Koch nur das Beste gewollt hatte.

Ein Freund, der gerade Englisch lernt, versucht zu ergründen, was es damit auf sich hat: „Was ist ein „vegetarian“?“ – „Das kommt von „vegetable“, also, das ist jemand, der nur Gemüse ist.“ Der Freund nickt. Nach einer längeren Stille fragt er argwöhnisch: „Und ‚humanitarian‘ …?“

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Eine Antwort to “Das Beste wollen und Schlimmste befürchten”

  1. Heiner Toenne Says:

    sowas kenne ich. Nicht, das ich Vegetarier bin, aber ein Kollege von mir war 2004 in Tadjikistan. Er ist Vegetarier, was dazu führte, dass man ihm in einem Restaurant eine Suppe bracht, die (natürlich) aus Fleisch und einem Knochen als Grundlage gekocht war….

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