Musik regt Phantasie an

Vor einigen Monaten hörten wir aus Jalalabad von einer Serie von Anschlägen auf CD-Läden. Die musikfeindlichen Taliban steckten dahinter, hieß es. Seit wir unser Büro neben einem Musikladen haben, der uns von früh bis spät so laut beschallt, dass wir nur bei geschlossenen Fenstern telefonieren können, bin ich mir nicht mehr so sicher. „Hafizullah ist schon rübergegangen und hat ihn gebeten, das leiser zu machen,“ sagt die Grazie, „aber stattdessen ist es noch lauter geworden!“ Mr. M. meint, das sei nur vorübergehend: „Das liegt in der afghanischen Kultur. Wenn uns jemand auffordert, etwas zu unterlassen, machen wir es extra, um zu zeigen, dass wir uns davon nicht beeindrucken lassen. Ein viel besserer NachbarNach ein paar Tagen, wenn er ausreichend bewiesen hat, dass er nicht auf uns hört, wird es wieder normal werden.“

Mr. A. schlägt vor, wir sollten ihn bedrohen. Wie das bei Mr. A. aussieht, habe ich neulich beobachten können, als ich ihm mein Telefon reichte, an dem ein Belästiger war. „Mr. A!“ hatte ich mit der Hand über dem Mikrofon gezischt, „lies ihm die Leviten, damit er mich nie wieder stört!“ Das anschließende Gespräch zwischen ihnen klang wie ein Austausch von Höflichkeiten über das Wetter. „Aber du solltest ihm doch heimleuchten!“ sagte ich vorwurfsvoll, als sie aufgelegt hatten. Mr. A. zuckte die Achseln und meinte: „Ich kann nicht unfreundlich werden. Wenn du jemanden brauchst der schimpft, gibt das Telefon Mr. E.“ Ich muss zugeben, mein Telefonverfolger hat sich nie wieder gemeldet. Trotzdem würde ich gerne wissen, was Mr. A. dem Musikverkäufer sagen würde. „Nicht ich,“ meint Mr. A., er würde drei der bärbeißigen Bärtigen von einer Partnerorganisation vorbeischicken, am besten bewaffnet.

Mr. M. meint, wir sollten erstmal abwarten, und dann könnte er ja noch mal einen Vorstoß unternehmen: „Ich kaufe ganz viel bei ihm. Dann tut er mir als gutem Kunden vielleicht einen Gefallen.“ Die Grazie ist skeptisch und zitiert aus ihrer aller Lieblingsfernsehserie „Mind your Language“: „We should say: ‚Stop the music orrr I’ll slaughterrr yourrr neck frrrom herrre to therrre!'“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: