Staatschefs ohne Freunde

„Wieviele Ministerien habt ihr in Deutschland?“ erkundigt sich Mr. A. „Ich bin mir nicht sicher … vielleicht 16?“ vermute ich. „Warum?“ fragt er. Zunächst verstehe ich seine Frage nicht, aber als ein feines Lächeln auf seinem Gesicht erscheint, ahne ich, dass es darum geht, dass es in Afghanistan ungefähr 10 Ministerien mehr gibt. „Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung,“ sagt er in einwandfreiem Deutsch. Beeindruckt sage ich, das passiere, wenn man so wenige Ministerien habe: Die seien dann für mehrere Themen zuständig und bekämen so lange Bezeichnungen, dass man sie sich kaum merken könne.

Mr. E. ist nicht einverstanden: „Das haben wir hier auch – „Ministerium für Pilgerfahrten und religiöse Angelegenheiten, zum Beispiel; und so ein Ministerium habt ihr bestimmt nicht.“ Ich frage ihn, was dieses Ministerium macht. „Im wesentlichen braucht man es einmal im Jahr: Jedes Jahr bekommt Afghanistan von Saudi-Arabien die Genehmigung für 30 000 Pilger, die nach Mekka wollen,“ erklärt mir einer aus dem Team. „Hast du nicht neulich in der Stadt diese unglaublich lange Schlange gesehen? Alles Leute, die hoffen, dass ihr Name auf die Visaliste kommt.“ Mr. A. wirft ein, die Türkei sei das einzige Land, in dem unbeschränkt viele Visa für die Pilgerfahrt ausgestellt werden. Kurz sinnieren alle darüber, ob es daran liegt, dass man sich von türkischen Pilgern große Einnahmen erhofft, oder man annehme, Türken seien so säkular, dass man sie mit irgendetwas locken müsse.

Mr. E. kommt auf die Frage der wenigen Ministerien in Deutschland zurück: „Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Eure Kanzlerin hat nicht so viele Freunde wie unser Präsident.“

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2 Antworten to “Staatschefs ohne Freunde”

  1. smartfortwo Says:

    Das hat sich also schon bis nach Afghanistan herumgesprochen – oder hat Mr A. die FAZ gelesen? Oder gar gestern Abend das ZDF-Interview mit K.T. z.G. gesehen?

  2. Fährfrau Says:

    Wie man es nun auch dreht und wendet – die Kanzlerin hat wenige Freunde oder der Präsident muss seine befreundeten Schäfchen alle ins Trockene bringen – Mr. E hat den Nagel wohl auf den Kopf getroffen! Bing(o)!

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