Gib dir Mühe, die Ausländer kommen

Eigentlich war schon alles klar. Vom optimalen Haus sollte uns nur noch ein Treffen mit dem Besitzer trennen, zu dem mich der Makler jetzt angeblich bringt. „Langsam, langsam, wir müssen auf dem Weg noch in Straße 5 eine Freundin einsammeln,“ sage ich. Er erwidert unbekümmert, das könnten wir tun, aber „auf dem Weg“ – nun ja, das Haus sei jetzt doch nur für sechs Monate zu haben. Er wolle uns ersparen, ihn ein zweites Mal zu bezahlen, wenn wir wieder auf der Suche seien. Soviel Altruismus stimmt Madame C. und mich misstrauisch. „Es könnte sein, dass der Besitzer ihm nicht genug Provision zahlen will und er sich deswegen so sträubt,“ meint Madame C. Wir unternehmen noch ein paar Vorstöße. Ob man nicht doch noch mal mit ihm reden könne? Oder ob wir mit ihm reden könnten? Der Makler schüttelt den Kopf und behauptet, das Haus wäre sowieso nichts für mich gewesen.

Stattdessen zeigt er mir ein anderes, viel kleiner aber fast zum gleichen Preis. Madame C. guckt ihn schräg an: „Wir haben viele Freunde hier in der Gegend, die in besseren Häusern billiger wohnen, in richtig schönen alten …“ – „Siehst du,“ fällt ihr der Makler ins Wort: „Alt! Dieses Haus ist neu!“ Sie versichert ihm, dass für Ausländer die alte Kabuler Lehmarchitektur viel attraktiver ist. Im Winter bleibt es wärmer, im Sommer kühler, die Häuser haben mehr Charme … Der Makler macht große Augen.

Als wir auf dem Weg zum nächsten Mietobjekt sind, telefoniert er mit dem Eigentümer: „Nun gib dir mal ’n bißchen Mühe, die Ausländer kommen,“ trompetet der Makler ins Telefon und kichert verlegen, als er merkt, dass wir ihn verstanden haben. Mühe geben, das heißt, dem Kunden einreden, dass er mit seinen Wünschen falsch liegt und Makler und Vermieter besser wissen, was gut für ihn ist. Das Haus zu dem wir fahren, ist ein Traum. Allerdings bereitet mir die Gegend Sorgen, denn es liegt genau auf der Rückseite der Staatsanwaltschaft. Die Straße ist mit riesigen Betonbarrieren und zahlreichen afghanischen Sicherheitskräften abgeriegelt. „Das ist super, hier brauchst du keine eigenen Wächter,“ wirbt der Makler. Madame C. erklärt ihm, dass es gerade diese Maßnahmen sind, die uns Unbehagen verursachen. „Aaaach, dann – also, der Staatsanwalt zieht jetzt sowieso weg, in zwei Monaten seid ihr die alle los,“ schwenkt er um.

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