Geordneter Rückbau

Der vorherige Vermieter steht überraschend vor unserem Tor. Der Wächter lächelt dümmlich und versteht plötzlich kein Englisch mehr. Er hatte eindeutige Anweisung, niemandem zu sagen, wohin wir gezogen sind. Dafür hat er dem Vermieter auch gleich noch erzählt, dass wir die Wasserleitung mitgenommen haben, denn darüber beginnt Oberst A. sofort zu lamentieren. Wir zucken die Schultern: „Im Vertrag ist festgelegt, dass du dich um Wasser- und Stromleitungen kümmerst, und du hast dich immer geweigert. Da wir alles neu verlegen mussten, nehmen wir das Rohr jetzt eben wieder mit.“

Das Klagelied geht weiter, als wir beim alten Haus ankommen. Wenn man unserem Vermieter glauben schenkt, sind wir vor zwei Jahren in einen Palast gezogen und haben ihn systematisch kaputt gemacht: „Diese schönen Blumen, die ich gepflanzt hatte – alle weg!“ behauptet er. Ich bin in Versuchung, ihm die Fotos von unserem Einzug zu zeigen. Manche Freunde dachten damals, wir seien an eine Schnellstraße gezogen, weil just dort, wohin er gerade gedeutet hat, eine ausgedehnte Betonfläche war. „Sowas machen Afghanen,“ zetert er weiter, „aber doch keine Europäer! Die machen die Dinge heil!“ In seiner Fantasie hat auch er das Haus gestrichen, während wir nichts besseres zu tun hatten, als das Ofenrohr kaputt zu machen und den Putz vom Balkon zu treten. Aufgeregt telefoniert er. Der Makler soll kommen und am besten auch gleich die Polizei.

 

Oberst A. im Kreise seiner Lieben

Die drei von der Zankstelle: Oberst A. im Kreise seiner Lieben

 

Wenig später steckt der Makler seinen ungewaschenen Schopf durch die Tür. Sie schaukeln sich gegenseitig darin hoch zu betonen, wie gut das Haus vorher gewesen sei. Kurz bevor imaginäre goldene Wasserhähne zur Sprache kommen, wirft C. ein, es gäbe zwei Möglichkeiten: „Entweder geben wir jetzt den Schlüssel zurück. Die Stromrechnung begleichen wir noch, und das ist es. Oder wir nehmen auch noch unsere Stromkabel mit, reißen den Kamin raus und mauern den Zugang von der Küche zum Haus wieder zu.“

Nicht ohne weiteres Zanken unterschreibt Oberst A. für den Schlüssel und ordnet an, der Makler solle sich am nächsten Tag noch einmal mit uns treffen, um die restlichen Schlüssel in Empfang zu nehmen, während wir die Metallblenden auf der Mauer entfernen. Vorsorglich kommen wir ein paar Stunden früher. Die Arbeiter stehen bereits in der Tür des Grundstücks. „Wie seid ihr denn hier reingekommen?“ – „Aaach, wir sind einfach über die Mauer geklettert,“ feixen sie. Soviel zu unseren vorzüglichen Sicherheitsmaßnahmen.

 

Granatapfel

Granatapfel

 

Der einzige, der nicht kommt, ist der Makler. Das ist schade, denn wir haben eigens einen Freund gedungen, mit Sonnenbrille zu kommen und grimmig zu schauen. Der Makler geht nicht ans Telefon. Sein Bruder erklärt uns, er hätte sich mit dem Vermieter zerstritten. Kurzerhand fahren wir ins Büro des Maklers und nötigen ihm die Schlüssel auf. „Unterschreib, dass du sie bekommen hast und stempel das am besten auch.“ Er bleckt die Zähne: „Äh, ich hab keinen Stempel da. Der is zu Hause,“ nuschelt er. Das Büro erzittert, von unserem schallenden Gelächter. Mit einer Kugelschreibermine macht er sich eilig an seinem Daumen zu schaffen und drückt einen halbherzigen Abdruck auf das Dokument.

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2 Antworten to “Geordneter Rückbau”

  1. smartfortwo Says:

    Hat der Wächter seinen Job noch????

  2. Fährfrau Says:

    Ein Zau-n, ein gu-ter Zau-n, das ist das bes-te was es gibt auf der Welt!

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