Vom Fleck weg

„Ja, klar,“ sagt der Vermieter. Es geht darum, dass der Maler genug Plastikfolie mitbringen soll, um wirklich alles im Raum abzudecken. Ich bin nicht so weltfremd zu glauben, dass das die Fenster einschließt. Hier ist man der Ansicht, so lange man noch durchgucken kann, kann es gar nicht so schlimm sein – und außerdem hat man ja sowieso meist die Vorhänge zu, insofern sind Farbspritzer auf den Scheiben wirklich nichts, worüber man sich aufregen müsste.

Der Maler auf seiner Kommode

Der Maler auf seiner Kommode

Da unsere Möbel zum Teil bereits in den Räumen stehen und mich derlei Dinge auch nach zwei Jahren in Afghanistan noch stören, beharre ich auf die Folie. Als der Maler schließlich kommt, stellt er seine kleine Malerkommode auf ein Stückchen Plastik und fängt an zu pinseln. Es ist ein reizender alter Herr, aber mit den Augen nicht mehr so gut beieinander. Die Plastikfolie wandert mit ihm durch den Raum, und bei jeder Bewegung fliegen feuchte Farbbröckchen auf den Teppich, der alsbald ein neues Muster hat.

Der alte Herr zeigt mir das angeblich fertige Zimmer. Ich deute fragend auf einen großen kahlen Fleck an der Decke. „Da tat mir das Bein weh,“ erklärt er. Als ich den Vermieter erneut auf die Folie anspreche, klingt das „ja, klar schon eher wie „ja, ja“. Der Wächter sagt, er hätte keine Zeit, Folie zu besorgen. Im Büro beauftrage ich schließlich Hafizullah damit. Auf meine Nachfragen bestätigt er, sich gekümmert zu haben, aber im Haus sehe ich den Maler immer noch auf seiner Tüte herumrutschen. „Wie kann es sein, dass ich mehrfach darauf bestehe, dass hier alles abgedeckt werden soll, und nichts geschieht?“ fauche ich. Hafizullah wackelt mit dem Kopf. Der Maler habe gesagt, das sei nicht nötig. Am liebsten würde ich ihn schütteln: „Wenn ich im Haus des Malers kleckere, kann er das gerne sagen. Aber solange er in meinem Haus malt, bestimme ich, was nötig ist und was nicht.“

„Aber ich mache danach doch alles sauber!“ wehrt sich der Maler. „Bei manchen Dingen finde ich es aber einfach besser, wenn sie nicht geschrubbt werden.“ – „Ich bin jetzt müde“, sagt der Maler, „ich gehe nach Hause und komme morgen wieder.“

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Eine Antwort to “Vom Fleck weg”

  1. RevolutionaryGirl Says:

    Welcome to Afghanistan!

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