Treffen sich zwei Welten

Nach langen Diskussionen über das Wochenende hat die Regierung eine Entscheidung getroffen: Statt wie bisher offiziell nur einen Tag soll das Wochenende auch in Kabul – wohlgemerkt nur in der Hauptstadt – zwei Tage dauern. Der Grund: Umweltschutz. Auch Teheran hatte diese Woche angeblich weitgehend geschlossen, weil die Luftverschmutzung so hoch war. Deswegen hat man in Afghanistan entschieden, nicht nur zwei Tage Wochenende zu machen, sondern gleichzeitig zwei privatautofreie Tage einzuführen. Darüber hinaus hat das Innenministerium angeordnet, dass Büros und Privatleuten die Generatoren weggenommen werden sollen, selbstverständlich auch alles im Sinne der Umwelt.

Madame C. berichtet von ihrer Begegnung mit einem Mitarabeiter der staatlichen Umweltbehörde in einem warmen Café: „Ich habe gefragt, wie ihr habt keinen Strom, keine Heizung … aber ihr seid doch eine so große Behörde.“ – Diese Behörde war allerdings eine der treibenden Kräfte bei den Verfügungen über Generatoren, und es ist ihr hoch anzurechnen, dass sie mit gutem Beispiel vorangeht.

Ich schüttle den Kopf – gerade im Umweltbereich bekommen wir viele Projekte dieser Art angetragen, bei denen sich niemand Gedanken über die praktische Umsetzbarkeit macht. Auch hier liegt die Vermutung nahe, dass kleine, besser transportable Generatoren sicherlich eher entfernt werden, als die monströsen, vergitterten Exemplare, die wir vor manchen Palästen sehen.

Das Team zuckt die Schultern und seufzt. „Zwei Tage Wochenende, das ist gut. Aber nach all den Diskussionen: Warum müssen es ausgerechnet Donnerstag und Freitag sein? Die meisten Länder haben Samstag – Sonntag, selbst unter unseren Nachbarstaaten hat keiner Donnerstag. Jetzt sind wir vier Tage die Woche von der Welt abgeschnitten.“ Die Grazie hebt warnend die Hand und raunt in verschwörerischem Ton: „Achtung, Achtung, wenn ihr gleich diesen gewaltigen Rumms hört, dann sind wir mit der Steinzeit zusammengekracht, so schnell wie wir dahin zurückrasen!“  – „Wenn es zur Kollision kommt,“ sagt Mr. M. würdevoll, „dann wird es die Steinzeit sein, die daran zerbricht. Wir sind stärker und altbackener.“

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Eine Antwort to “Treffen sich zwei Welten”

  1. RevolutionaryGirl Says:

    ach, jetzt verstehe ich das erst mit den vier Tagen 🙂
    wenn die Leute keine Generatoren mehr haben, was sollen sie machen, wenn der Strom ausfällt? Ist doch schwachsinnig!

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