Staub statt Schnee

Normalerweise ist der Kabuler Winter nicht nur wegen der Kälte unangenehm. Sobald es im Oktober oder November beginnt zu regnen, verwandeln sich die Straßen der Hauptstadt in einen Matschpfuhl. Man muss fürchten, dass es irgendwo durchregnet, und wenn Schnee fällt, sollte man diesen tunlichst schnell vom Dach schippen. Die sonst so praktischen Lehmdächer saugen sich sonst mit Wasser voll und brechen unter dem eigenen Gewicht ein.

Diesen Winter ist das einzige, woran es nicht mangelt, jedoch Staub. Die Luft ist trocken und in Kabul vom Rauch all dessen geschwängert, was die Leute verbrennen. Als ich neulich meine Jacke zum Lüften über Nacht draußen hatte hängen lassen, roch sie danach schlechter als vorher.

Im Oktober hat es einmal geregnet, und vor zwei Wochen, gab es eine winzige Menge Schnee. „Woran liegt das?“ fragt C. – „Ist doch klar,“ sagt einer der Kollegen: „Die Luft ist total staubig. So können sich keine Wolken bilden und daher regnet es auch nicht.“ Leider beschränkt sich das Phänomen nicht auf die wirklich unglaublich staubige Hauptstadt. Auch dem Rest des Landes droht Dürre und damit Hunger, wenn sich das Wetter nicht bald ändert. „Es geht ohne Gold, aber nicht ohne Schnee“ lautet eine afghanische Redewendung.

„Jeder erinnert sich an die sieben Jahre Dürre unter den Taliban. Sie sind ständig in die Moschee gegangen und haben ein sogenanntes Regengebet abgehalten,“ erklärt Mr M, „aber danach hat es immer nur gestürmt und gestaubt. Das hätte ihnen schon sagen müssen, dass sie nicht auf dem richtigen Wege sind.“ – „Könnten sie das nicht auch jetzt vielleicht tun? Vielleicht hilft es nicht, damit wir Regen bekommen, aber wenn sie in den Moscheen wären und beteten, wäre es auf den Straßen und im Lande entspannter,“ werfe ich ein. C meint, man müsse es vielleicht auch andersherum anfangen: „Wenn sie Regen wollen, sollten sie vielleicht für Staub beten.“ Mr. E schüttelt den Kopf: „Dafür gibt es leider kein spezielles Gebet.“

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3 Antworten to “Staub statt Schnee”

  1. Tilman Says:

    neulich hab ich einen Freund getroffen der auch in Afghanistan gearbeitet hat. Als das Gespräch sich zunehmend um den Austausch lustiger Afghanistan Anekdoten drehte gab er mir den Tipp doch mal nach dem Blog „Grüner Afghane“ zu suchen. Er ist seit langem Fan und wartet begierig auf jeden neuen Post. Ich outete mich daraufhin als mindestens ebenso engagierter Fan Deiner Kabuler Kurzreportagen.

    Du bist also schon eine regelrechte Web-Celebrity um deren Erlebnisse sich Kneipengespräche in Berlin drehen. Respekt!

  2. Fährfrau Says:

    Jedem die Ehre, die ihm gebührt. 🙂

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