Fleischpflanzen

Mit Argusaugen verfolgt das Team, ob es Anlässe gibt, um einen auszugeben. Zu Feier- und Geburtstagen sind Kuchen selbstverständlich, aber auch bei größeren Anschaffungen oder familiären Anlässen. Glaubt man zweien meiner Mitarbeiter, haben die beiden anderen schon eine lange Backwaren-Schuldenliste. Beim mitgebrachten Apfelkuchen flachse ich, ob der nicht ein wenig zu blass geblieben sei, um ihn wirklich anzubieten. „Mein Magen hat keine Augen,“ sagt Mr. E. und bedient sich grinsend.

Heute hat der Fahrer ohne jeden Anlass etwas mitgebracht. Er stammt aus Logar, und ausweislich der Grazie isst man dort besonders gerne getrocknetes Fleisch. „Das hier ist aber nicht nur ‚Dörrfleisch‘,“ sagt sie: „Das hier nennen wir Landi. Es ist besonders gut, weil die Haut noch dran ist.“ Sie sieht mein Zögern. „Vielleicht riecht es nicht so gut … aber es schmeckt, als hätte sich der ganze Geschmack des Tiers in diesem einen Stück konzentriert!“ schwärmt sie. Mr. E. findet getrocknetes Fleisch unzeitgemäß: Das habe man früher gebraucht, als frisches Fleisch nicht ständig zu haben war. Mr. M. schielt auf meinen Teller und schließt aus den nur vereinzelten Fleischfasern, dass ich noch nicht überzeugt von dieser Delikatesse bin. „Ich mochte es auch nie,“ erklärt er, „aber dann hat jemand gesagt ‚Gegen Landi schmecht alles andere Fleisch wie Gemüse.'“

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