Soziale Hetzwerke

Die Ansichten über die Umwälzungen in der arabischen Welt in Afghanistan sind geteilt. Viele freuen sich mit Ägypten, viele schauen mit Sorge auf die blutigen Auseinandersetzungen in Libyen und viele hoffen, dass sich in Afghanistan nicht ähnliches ereignen möge. „Die Ägypter haben es so gut hingekriegt,“ sagt eine Freundin, „ich fürchte, wenn sowas bei uns passierte, würde erstmal geplündert und dann würde alles im Chaos versinken.“ Es gibt jedoch auch keine Anzeichen, dass es hier ähnliche Bewegungen gibt. Rein präventiv richtet einer der alten Warlords, Burhanuddin Rabbani, einen glühenden Appell an die religiöse Elite: „Mullahs, lasst nicht zu, dass die Facebooker die Macht übernehmen!“ Auch danach ereifert er sich noch über die Taugenichtse, die nichts als Facebook und Twitter im Sinn hätten. Die Tageszeitung Hashte Sobh spottet. „Frieden mit den Taliban und Feindschaft dem Facebook“ lautet ihre Schlagzeile, denn Rabbani ist auch ein Mitglied des „Hohen Rats für Frieden“, der einen Ausgleich mit den Taliban finden soll. Rabbani sei altmodisch und wolle nicht, dass die junge Generation Anschluss an den Rest der Welt habe, ja, er missgönne ihr sogar die Bildung, die ihnen das ermögliche.

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3 Antworten to “Soziale Hetzwerke”

  1. RevolutionaryGirl Says:

    Ich kann einfach nicht glauben, dass in Afghanistan immer wieder schreckliche Dinge passieren und Rabbani sich vor den Facebookern fürchtet. Vielleicht sollte er langsam anfangen sich vor den Taliban zu fürchten. Das macht mehr Sinn.

    • andromeda8 Says:

      Ja, und dass er nicht lieber den Facebookern sagt, sie sollten aufpassen, dass sie nicht von den Taliban dominiert werden.

  2. Tilman Says:

    Ich dachte dieses Gerede von der Facebook&Twitter-Revolution gibt es nur in den westlichen Medien. Ist ja interessant dass das tatsächlich selbst konservative Afghanen aufgreifen.

    Aber vermutlich ist das zweimal das gleiche Phänomen mit unterschiedlichen Vorzeichen: Wir freuen uns dass die braven Revolutionäre sich mit „unserer“ Technologie so toll vernetzen – und nachdem wir den Sturz der Nahost-Dikatoren ja sonst nicht unterstützt haben können wir nun doch ein klein bisschen stolz sein.
    Und für Rabbani verkörpert das wohl den befürchteten westlichen Einfluss auf die Revolutionäre.

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