Man labt nur zweimal

Die Schreibübungen der Köchin

Die Schreibübungen der Köchin

Im grünen Salon sitzen meine Kollegen, ihre Teller sind schon fast leer und auch in den Schüsseln ist nur noch ein Rest Spaghetti. „Aber ihr wisst doch, dass um eins ein Gast kommt,“ sage ich vorwurfsvoll. „Wie könnt ihr denn dann schon vorher essen? Ich dachte, ihr wartet.“ Alle schauen betreten auf ihre Teller. Mr. A. murmelt, da habe es wohl ein Missverständnis gegeben.

Seufzend mache ich mich auf, den Gast vom Tor abzuholen. Als wir hereinkommen, traue ich meinen Augen nicht: sechs frische Teller stehen auf dem Tisch, die Verwüstungen im Salat sind durch sorgsames Aufhäufeln bereinigt und schon kommt auch die Köchin mit einer riesigen Platte des Hauptgerichts. Als der Gast und ich am Tisch sitzen, kommen meine Kollegen einer nach dem anderen rein und bedienen sich, gerade so, als hätten sie noch nicht gegessen. Ich kann mir das Lachen kaum verkneifen.

Später gehe ich zu ihnen und bedanke mich: „Das war wirklich großartig von euch, so alleine an dem großen Tisch, das hätte sich nicht gut gemacht.“ Sie freuen sich über das gelungene Schauspiel. Mr. A. streicht sich bedächtig über den beträchtlichen Bauch. „Es ist uns auch gar nicht schwergefallen.“

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2 Antworten to “Man labt nur zweimal”

  1. Philipp Aepler Says:

    Grossartig!

  2. smartfortwo Says:

    Köstliche Komödie! Oskar-verdächtig!

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