Picknick im Park

Wir sind zum Freitagspickick im Bagh-e Babur verabredet, aber finden unsere Freunde nicht. Während ich mit der Gastgeberin telefoniere, entgehen mir völlig die wilden Winksignale der Männer um uns herum. Eine Frau tippt mir auf die Schulter: „Entschuldigung. Sie sitzen dort drüben,“ sagt sie auf Dari. Ich schaue sie ungläubig an. „Na, die Ausländer. Zwei Männer und eine Frau. Die sitzen dort drüben,“ bekräftigt sie und deutet zwischen die blühenden Obstbäume. So selten, wie Ausländer sich hier niederlassen, weiß jeder in dem großen Park, wo wir zu finden sind.

Viele Leute kommen vorbei und möchten sich unterhalten oder Fotos mit uns machen. Popcornhändler, Schuhputzer und ein kleiner Junge kommen vorbei. Des letzteren Dienstleistung besteht darin, dass er eine Personenwaage auf den schiefen Rasen stellt und für einen kleinen Obolus anbietet, dass man sich wiegen kann. Einer unserer Freunde schaut zwischen dem üppigen Picknick und dem Jungen hin und her. „Kein wirklich durchdachtes Geschäftsmodell.“

Zwei junge Männer laufen eine ganze Weile um uns herum bis sie sich zu einem Gespräch durchringen. Einer von ihnen ist Zahnarzt, beide arbeiten als Dolmetscher für die Amerikaner. „Wir haben uns jetzt für ein Training in den USA beworben.“ – „Kommt ihr danach wieder?“ – „Erst nehmen wir die amerikanische Staatsbürgerschaft an und dann kommen wir wieder und verdienen zehn- oder fünfzehntausend Dollar im Monat.“

Ich frage, was genau sie in den USA machen werden und denke dabei an das Training. „In Nachtclubs und an den Strand gehen und Mädchen in kurzen Röcken angucken,“ sagt der Zahnarzt wie aus der Pistole geschossen, „das ist mein Hobby.“  – Ich versuche ihm zu erklären, dass der Besuch von Nachtclubs von geringem sozialen Ansehen ist. „Wir würden nicht so oft gehen, nur einmal in der Woche.“ Mir schießt eine Äußerung der Grazie in den Sinn: „Weißt du, meine Landsleute erkenne ich weltweit auf Anhieb. Das sind die, die immer glotzen, völlig schamlos,“ hatte sie mir einmal nach einer Auseinandersetzung mit unerzogenen jungen Männern erklärt. Das zitiere ich jetzt. „Nur, weil es Mädchen in kurzen Röcken gibt, heißt das noch lange nicht, dass es gesellschaftlich akzeptiert ist, sie anzustarren, im Gegenteil. Es gilt als unhöflich zu glotzen.“ Überlegen grinsend schüttelt mein Gesprächspartner den Kopf. „Nein, nein, so ist das nicht. Du bist ja schlimmer als die Taliban.“

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