Lieber einen Kanarienvogel

In einem meiner Lieblingskinderbücher gibt es den ewig unleidlichen Herrn Sturm, der sich ein  Haus mit zwei reizenden alten Damen teilt, die ihm nur Gutes wollen. In einer Szene brüllt Herr Sturm: „ICH WILL NICHTS GUTES!“  bevor er  seine Tür zuschmettert. Das mache ich zwar nicht, aber die Versuchung ist mindestens eimal die Woche groß, denn nicht alles was gut gemeint ist, ist auch gut gemacht. Unvergessen der Taxifahrer, der auf der matschigen Straße vor unserem Haus unbedingt direkt vor mir halten wollte, es aber mit erst einem Kavaliersstart, dann einer rasanten Bremsung geschafft hat, mich von oben bis unten einzusauen.

Mein Team, mit dem ich nach Lahore gefahren bin, zweifelt selbst den guten Willen im eigenen Lande an. „Kennst du nicht den Witz von dem afghanischen Schneider? Holt ein Kunde seinen Anzug ab und beschwert sich: ‚Schneider, in dem Anzug ist ein Floh!‘ Sagt der Schneider: ‚Ja, was erwartest du? Etwa einen Kanarienvogel der dir ein Lied singt?'“ Die Grazie deutet auf die Wasserflasche, die eingeschenkten Gläser: „In Afghanistan kann man froh sein, wenn sie einem einen Krug hinknallen.“ Ich feixe: „Manchmal glaube ich, dass Afghanen und Deutsche doch verwandt sind!“

Aber auch im Nachbarland ist nicht alles Gold, was glänzt. Unser Hotel wirbt mit seiner „Panoramadusche“. Dahinter verbirgt sich ein etwas antikes Modell, das unter anderem Berieselung durch verschiedene Düsen in der Wand vorsieht. Leider kommt jedoch kein heißes Wasser aus dem Duschkopf. Die Rezeption schickt jemanden vorbei, der seinen Finger mit Hingabe 20 Minuten lang unter den Strahl hält. „Madam, see,“ versucht er mich aufzumuntern, „es wird schon wärmer, ich dreh noch mal schnell an diesem Knopf, vielleicht wird es dann noch besser.“ Gesagt, getan, und mittels des „Panoramaknopfs“ sind im Handumdrehen das Zimmer und ich unter lauwarmes Wasser gesetzt. „BITTE, STOP!“ rufe ich. „Madam, ich konnte den Knopf in die Richtung drehen, aber zurück will er nicht mehr.“ Die Grazie lugt aus ihrem Zimmer, als Verstärkung naht. „Alles in Ordnung?“ raunt sie. Ich wische mir das Wasser von der Stirn, während der Verursacher der Überschwemmung sich still und heimlich verdrückt. „Sie werden es hoffentlich richten,“ sage ich, während es im Badezimmer hämmert. „Madam, come!“ ruft einer der frisch hinzugekommenen mich zur Überprüfung ihres Werks. „Wir können es nicht nur zumachen, es geht auch wieder auf,“ ruft er, während mich der eben versiegte Wasserstrahl von neuem trifft.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: